Mönchengladbach
Die überraschende Meldung zum Ende 2020 war, dass Max Eberl sich einen Monat Pause nehmen werde. Nach 16 Jahren durchgehender Verfügbarkeit wollte der Sportchef von Borussia Mönchengladbach endlich mal Distanz gewinnen zum täglichen und verrückten Profibetrieb. Eine mutige Entscheidung, weil im Fußball ja stetig gelauert wird, ob einer seiner Protagonisten Schwäche zeigt. Weil es in dieser Saison ohne Winterpause weitergeht und die vergangene Saison sich wegen der Pandemie länger hingezogen hatte, musste Eberl aktiv werden, um einem Burnout vorzubeugen. Das Handy, sagte er, bleibe aber in Griffweite. Für alle Fälle. Er hat dann doch nicht die Finger davon lassen können. Nach dem 1:0-Erfolg der Borussia meldete er sich bei Trainer Marco Rose mit einer Gratulation mit Einschränkung: „Ich hätte gern ein 2:0 und ein bisschen mehr Ruhe beim Zuschauen gehabt“, schrieb er. Ganz raus aus seiner Haut kann Max Eberl halt doch nicht.
FC Augsburg
Auf dem Papier hat der FC Augsburg einen starken Sturm: Florian Niederlechner erzielte vorige Saison 13 Tore und verriet kürzlich, dass er ohne Corona wohl als Over-Age-Spieler in die deutsche Mannschaft für das Olympia-Turnier in Tokio 2020 berufen worden wäre, Alfred Finnbogason hat mit Island eine EM und WM (inklusive eines Tors gegen Argentinien 2018 in Moskau) gespielt und wird öfter mit anderen Bundesligisten in Verbindung gebracht. Jedoch: Beide Mittelstürmer des FCA sind in dieser Saison torlos. Finnbogason ist derzeit wieder verletzt, Niederlechner ohne Abschlussglück. Trotzdem steht ihr Team gut da. Weil andere treffen. Wie nun sogar Linksverteidiger Iago zum 1:0-Sieg in Köln. Allerdings: Der Brasilianer hatte sich in die Mittelstürmerposition geschlichen, und es war Florian Niederlechner, der für ihn auflegte – nachdem ihm zuvor das vermeintlich erlösende eigene Tor wegen Abseits aberkannt worden war. Mit dem 1. FC Köln hatte der FCA jedoch auch einen dankbaren Gegner. Denn die Stürmer beim Effzeh kriseln nicht weniger als die in Augsburg. Der von Union Berlin geholte schwedische König der Lüfte, Sebastian Andersson, wurde nach gutem Start mit zwei Toren von einer Verletzung ausgebremst, und Anthony Modeste, der in Köln sogar in einem Karnevalsschlager besungen wird, schafft es derzeit nicht mal mehr in den Spieltagskader. Und Karneval fällt wegen Corona aus. Vor einigen Monaten hatte Modeste in Augsburg einen Ball noch im Torwinkel versenkt.
VAR
Schön für den Italiener Vizenco Grifo, dass er einen Lauf hat und für den SC Freiburg auch wieder ins Tor traf. Zum 1:0 in Hoffenheim. Per Elfmeter, den es aber nicht hätte geben dürfen. Melaryo Bogarde war angeköpft worden, die Hände hatte er auf Kinnhöhe. Schiedsrichter Robert Hartmann entschied auf Strafstoß wegen Handspiels. Nur: Touchiert hatte der Hoffenheimer Bogarde den Ball mit der Nase, denn er hatte sich weggedreht, sodass die Hände aus dem Spiel waren. Die Zuschauer in der ARD-Sportschau sahen es eindeutig. Problem: Videoschiedsrichter Guido Winkmann scheiterte daran, die Szene zu entschlüsseln. Kann man den Videobeweis dann nicht von vornherein sein lassen?
Torwart-Paraden
Stark, wie Gregor Kobel vom VfB Stuttgart den Elfmeter des Leipzigers Emil Forsberg parierte. Im Flug fuhr der lange Schweizer den rechten Fuß aus, lenkte den Ball an die Latte. Beeindruckend jedoch auch der „Save“ von RB-Keeper Peter Gulacsi, der in der Schlussphase den freien Stuttgarter Waldemar Anton aufhielt. Okay – Spektakelwertung geht an Kobel.
Es war aber trotz der Glanztaten bei VfB – Leipzig kein leichter Tag für die Torhüter. Leverkusens Hradecky und Hoffenheims Baumann wurden von eigenen Abwehrspielern (Tapsoba, Adams) überwunden. Ist allerdings auch eine Angriffsvariante: Ball flach und scharf in die Mitte hauen – und hoffen, dass der Abwehrmann kurz die Orientierung verliert. GÜNTER KLEIN