Zielsprint nach dem Marathon um die Welt

von Redaktion

Boris Herrmann hat bei der Vendee Globe gute Chancen auf den Sieg: „Es wird sehr eng“

VON BERND BRUDERMANNS

München – In Frankreich ist die Vendee Globe ein nationales Großereignis im Sport. Schließlich beginnt und endet die härteste Einhandregatta der Welt, die alle vier Jahre ausgetragen wird, im Departement Vendee, nach dem sie benannt ist. Die Teilnehmer sind seit ihrer Premiere 1992 überwiegend Segelprofis aus Frankreich. Und den Sieger stellte bislang immer La Grande Nation. Doch bei der Ausgabe 2020/2021 könnte ein Deutscher – und das bei seiner ersten Teilnahme – dieses prestigeträchtige Rennen gewinnen. Denn der Hamburger Boris Herrmann liegt rund 4000 Kilometer vor dem Ziel in Les Sables-d’Olonne nur 140 Kilometer hinter dem führenden Franzosen Charlie Dalin. Aus einem Segel-Marathon rund um die Welt ist nun ein Zielsprint geworden.

„Rang zwei fühlt sich gut an für die Moral, aber ich habe keine Festbuchung für einen Podiumsplatz. Der ist natürlich mein Traum, mein Ziel, aber keinesfalls sicher“, sagte Herrmann (39) gestern. „Es wird sehr eng. Es wird eine harte Woche, auf die ich mich aber freue.“

74 Tage sind die Segler mittlerweile unterwegs – normalerweise liegen Welten (in diesem Fall Seemeilen) zwischen den Booten. Doch diesmal nicht. „Es wird die unglaublichste Woche aller Vendee-Globe-Finals. Alle sechs oder sieben Boote können dicht zusammenkommen“, sagte Herrmann. „Zudem kommen die Zeitgutschriften ins Spiel.“

Bei der erfolgreichen Rettungsmission für Kevin Escoffier, dessen Jacht am 30. November auseinandergebrochen war, hatten drei Skipper für ihre Beteiligung Wiedergutmachung erhalten: Herrmann (sechs Stunden), der viertplatzierte Yannick Bestaven (10:15 Stunden) und Jean Le Cam (Achter/16:15 Stunden). Diese Gutschriften werden im Ziel von den Gesamtsegelzeiten abgezogen.

Die Boote in der Spitzengruppe sind derzeit mit einem Schnitt zwischen 24 und 33 km/h unterwegs. Und Herrmann hat einen Vorteil: Seine Jacht ist im Gegensatz zu den Booten der meisten Konkurrenten an Segeln und Foils (Tragflügeln) nahezu unbeschädigt. Der Deutsche ist bereit für den Zielsprint – und einen historischen Sieg …

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