Gelsenkirchen – Als die frohe Kunde aus Mainz kam, befanden sich die Bayern gerade über den Wolken. Um 17.15 Uhr war der Tross des Tabellenführers am Samstag in Richtung Gelsenkirchen unterwegs, und als die Stars wieder Boden unter den Füßen hatten, wussten sie, was nach der Pleite von Leipzig von ihnen im Spiel auf Schalke gefordert sein würde: Ein Sieg, um RB als ersten Verfolger auf sieben Punkte zu distanzieren. Das gelang.
Zwar wurde es kein 8:0 wie im Hinspiel, aber das war egal. Denn auch ein 4:0 (1:0) reichte dem Triple-Sieger gestern Nachmittag zum echten „Big Point“ an der Liga-Spitze. „Insgesamt haben wir die Woche super durchgezogen“, sagte Thomas Müller, der in der unterhaltsamen Partie gleich doppelt (33./88.) getroffen hatte. Robert Lewandowski (54.) wie David Alaba (90.) waren je ein Mal erfolgreich. Der dritte Sieg im dritten Spiel nach dem Pokal-Aus in Kiel dürfte dem Serien-Meister den nächsten Coup schon nach 18 Spieltagen entscheidend näher gebracht haben. „Wir sind einen Riesenschritt nach vorne gekommen“, sagte Müller treffend.
In der Tat: Leverkusen und Wolfsburg (10 Punkte weniger) sind keine echten Konkurrenten mehr, der BVB hat auf Platz sieben bereits 13(!) Zähler Rückstand. Auch wenn es für Glückwünsche zu früh war: Alles andere als der neunte Meistertitel der Bayern hintereinander wäre ab sofort eine Überraschung.
„Die Konkurrenz hat uns eine Vorlage geliefert – und wir haben sie genutzt“, sagte Flick. Der Coach hatte im Kern seiner Stammelf vertraut: Im Vergleich zum 1:0 beim FC Augsburg standen lediglich Niklas Süle, Alphonso Davies und Leroy Sané auf dem Feld, während Benjamin Pavard, Lucas Hernández und Kingsley Coman auf die Bank saßen. Sie waren in der Geister-Arena Zeugen einer Partie, die Spaß machte. In den ersten 45 Minuten ging es hin und her. Die Bayern verzeichneten Feldvorteile, kamen in der Defensive aber oft unabgestimmt daher. Von einem „Spiel mit ein paar Nachlässigkeiten“ sprach Müller.
Manuel Neuer war daher schon das erste Mal am Ball, als noch keine Minute gespielt war – und auch in der Folge öfter gefordert. Serdar köpfte vorbei (9.), Uth scheiterte aus bester Lage am Bayern-Keeper (12.). Die Schalker versteckten sich keineswegs, sondern setzten Nadelstiche. Es war schnell klar, dass die Bayern aus ihren vielen Chancen – Sané (2.), Lewandowski (7./23.), Gnabry (9./23./26./28./32.), Süle (27.) – ein Tor machen sollten. Das gelang dann Müller.
Kimmich hatte es bis dahin schon öfter mit Flanken aus dem Halbfeld versucht, auch in der Vorarbeit zum 50. Saisontor des FC Bayern (Rekord nach 18 Spieltagen) konnte er den Ball vollkommen unbedrängt in den Strafraum zirkeln. Er fand vor dem langen Pfosten den ebenso unbewachten Müller, der aus gut sieben Metern einnickte. Fährmann, über weite Strecken überragend, nun überwunden. Ein zweites Tor vor dem Seitenwechsel aber gab es nicht.
Auch danach gab Schalke nicht auf, aber anders als zuletzt legten die Bayern nach. Wieder kam der Ball von Kimmich, diesmal aus dem Mittelfeld – und er fand Lewandowski. Der Pole nahm an und mit, behauptete sich und schloss aus spitzem Winkel zu seinem 23. Saisontor ab. Drei Sekunden der Kategorie: Weltklasse! Serdar gelang beinahe der Anschluss (60.), aber Bayern blieb am Drücker. Flick konnte früher wechseln als sonst. Auch mal gut, so ein Spiel, wo man nicht bis zum Schluss zittern muss. Im Gegenteil. Müller und Alaba trafen noch.
„In Augsburg war es schwieriger, hier haben wir nachlegen können“, sagte Neuer: „Wir haben die Null gehalten.“ Dem Keeper gelang das zum 197. Mal in der Liga – Rekord! Als die Bayern um 19.05 Uhr in Düsseldorf abhoben, waren sie: einsame Spitze.