„Der Zug ist abgefahren“

von Redaktion

Nach der überraschenden Pleite in Mainz haken die Leipziger das Thema Meisterschaft schon ab

Mainz – In Julian Nagelsmann brodelte es, das war nicht zu übersehen. Nach dem unerwarteten Rückschlag im Titelrennen tobte der Trainer von RB Leipzig an der Seitenlinie, meckerte ausgiebig in Richtung der Schiedsrichter – und schüttelte etwas später alle Gedanken an die Meisterschaft ab. „Nach einem solchen Spiel ist es töricht, darüber zu sprechen. Das macht keinen Sinn“, sagte der extrem missgelaunte Nagelsmann.

Nach dem blamablen 2:2 beim Abstiegskandidaten FSV Mainz 05 steckt also auch der letzte verbliebene Jäger des FC Bayern schon auf, mehr oder weniger. Es sei doch „scheißegal“, was der Rekordmeister mache, schimpfte Nagelsmann: „Wenn wir solche Spiele nicht gewinnen, werden wir, auch wenn die Bayern Punkte abgeben, nicht Meister. Das ist ganz simpel.“

Marcel Sabitzer hakte den Titel nach dem verpatzten Start in die Bundesliga-Rückrunde ebenfalls ab. „Der Zug ist natürlich abgefahren“, sagte Leipzigs Kapitän frustriert – und stimmte damit in die Analyse seines Trainers ein. „Zumindest sitzt Bayern im ICE und wir in der Regionalbahn. Es gibt wenige Regionalbahnen, die einen ICE noch einholen“, sagte Nagelsmann.

Anstatt den Druck auf die Tabellenführer aus München zu erhöhen und den Rückstand zu verkürzen, lieferten die Sachsen dem Rekordmeister eine Steilvorlage zum nächsten Titel. Nur ein Sieg aus den vergangenen vier Ligaspielen ist deutlich zu wenig, um die in dieser Spielzeit keinesfalls dominierenden Bayern von der Spitze zu stürzen.

Die Leipziger hatten dem leidenschaftlichen Auftritt der Mainzer kaum etwas entgegenzusetzen – und verspielten nach den Toren von Tyler Adams (15.) und Marcel Halstenberg (30.) zu allem Überfluss gleich zweimal eine Führung. Bei den 05ern sei einfach die „Schärfe“ und die „Aggressivität“ größer gewesen, betonte Nagelsmann.

Der RB-Coach zeigte sich schon während der Partie derart frustriert, dass er in Richtung Schiedsrichter Christian Dingert brüllte: „Was pfeift der denn für eine Scheiße?“ Alles andere als meisterlich – ebenso wie die drei Gegentore für die beste Defensive der Liga.

„Wenn du hier bei einem Abstiegskandidaten verlierst, ist der Anspruch vielleicht auch nicht gerechtfertigt“, sagte Sabitzer. Zwei Standardsituationen und ein großer Kampf reichten den Rheinhessen, um den Bayern-Jäger mit den Treffern von Moussa Niakhate (24./35.) und Leandro Barreiro (50.) zu stoppen.

„Solche Spiele musst du mit hundert Prozent Wille und Leidenschaft spielen, das haben wir nicht gemacht“, sagte Emil Forsberg im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF. Und Willi Orban kritisierte, dass vor allem die Gegentore „viel zu einfach“ gefallen seien: „Das wird in der Bundesliga bestraft. Wir ärgern uns über unsere Leistung.“  sid

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