Chemnitz – Die Eltern von 25 Chemnitzer Kunstturnerinnen haben in einem Offenen Brief die Leitung des Olympiastützpunktes aufgefordert, die wegen des Verdachts auf Ausübung psychischer Gewalt derzeit beurlaubte Trainerin Gabi Frehse wieder zu beschäftigen. „Wir haben Frehse als zuverlässige und integre Person kennenlernen dürfen, zu der unser vollstes Vertrauen besteht“, heißt es in dem Schreiben. Tags zuvor hatte bereits der Vereinschef der TuS Chemnitz-Altendorf, Franz Munzer, eine Entlassung der Trainerin abgelehnt.
Der Deutsche Turner-Bund (DTB) hatte nach einer externen Untersuchung empfohlen, sich von der 61-Jährigen zu trennen. Ausgelöst hatten die Kontroverse Anschuldigungen der ehemaligen Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer, die ihrer Ex-Trainerin unter anderem wiederholte Beleidigungen und Beschimpfungen vorgeworfen hatte.
Der ebenfalls in die Schusslinie geratene Gerrit Beltman wird möglicherweise zeitnah in die Halle zurückkehren. Dem niederländischen Coach, dem in der Vergangenheit mehrfach körperliche Gewalt gegen Athletinnen vorgeworfen wurde, ist – anders als Frehse – nicht beim Olympiastützpunkt, sondern beim TuS Chemnitz-Altendorf angestellt.
In dem Offenen Brief erklärten die Eltern: „Es wurden offensichtlich noch nicht einmal jene befragt, die seit Jahren Tag für Tag in der Halle sind – die Athletinnen.“ Die Kinder seien unzureichend in die Aufarbeitung einbezogen worden, heißt es in dem Schreiben, das u. a. dem Sportausschuss des Bundestags, dem Deutschen Olympischen Sportbund und den Deutschen Turner-Bund (DTB) zugesandt wurde.
Die Eltern von 25 Sportlerinnen inklusive Sophie Scheder, die in Rio 2016 Olympia-Bronze gewann, sind auch aufgebracht, weil der DTB erst die Presse und dann die Turnerinnen und ihre Erziehungsberechtigten informiert habe. „Dem Präsidium des DTB werfen wir verantwortungsloses Handeln vor, welches nicht zu entschuldigen ist.“ sid/dpa