Willingen – So ganz ohne Skisprung-Feeling kommt Stephan Leyhe auch jetzt nicht aus. In den schneereichen vergangenen Wochen wurde der verletzte 29-Jährige spontan zum Baumeister und bastelte sich auf einem Hügel neben der Wohnung eine Mini-Schanze. „Ich wollte diese Bewegungen mal wieder ausprobieren: In die Anfahrt gehen und abspringen“, sagt Leyhe zu seinem Experiment mit Langlaufskiern und lacht.
Wenn der Skisprung-Zirkus an diesem Wochenende in Willingen Station macht, kann der Hauptdarsteller des vergangenen Jahres nur zuschauen. Ausgerechnet in seinem Heimatort hatte Leyhe seinen ersten und bis heute einzigen Einzelsieg im Weltcup gefeiert. Nicht einmal ein Jahr ist das her, trotzdem wirken die Gedanken daran nicht nur wegen Leyhes Kreuzbandrisses und der langen Zwangspause wie ein Blick in lange vergangene Zeiten.
Zu „Oh, wie ist das schön“ und dem Waldecker Lied hatten tausende Fans Leyhe an der Mühlenkopfschanze hochleben lassen. „Das ist wie ein Märchen für ihn“, hatte Bundestrainer Stefan Horngacher damals Leyhes Triumph treffend beschrieben und selbst bei Leyhes Eltern auf einer Spontanparty in der Hauseinfahrt gefeiert – unvorstellbar in der Corona-Pandemie.
„Ich bin froh, dass das letztes Jahr noch passiert ist. Dass ich die ganzen Emotionen, die ich damit verbinde, abspeichern konnte“, sagt Leyhe und ergänzt: „Wenn ich mir diesen Tag noch mal im Internet anschaue, kriege ich gleich wieder Gänsehaut.“ sid