Lokalmatador Loch jagt den siebten Titel

von Redaktion

RODELN Bei Königsseer Heim-WM könnte sich der 31-Jährige zum Rekord-Champion krönen

Königssee – Das erste Saisonziel hat Felix Loch bereits erreicht. Am vergangenen Wochenende sicherte sich der 31 Jahre alte Rodler den Sieg im Gesamt-Weltcup. Seine siebte große Kristallkugel. Das Saisonfinale in St. Moritz ist nun eine Zugabe. Vor diesem Genuss-Wochenende Anfang Februar wartet auf den 1,91 Meter großen Athleten noch Saison-Aufgabe Nummer zwei – die Weltmeisterschaft (29. bis 31. Januar). Der siebte Titel im Einzelrennen würde ihn zum Rekord-Weltmeister machen. Angesichts der Vorleistungen mit acht Siegen in acht Rennen ist Loch der Top-Favorit, zumal die Titelkämpfe auf seiner Heimbahn am Königssee ausgetragen werden. Doch Felix Loch ist ein gebranntes Kind.

11. Februar 2018, Olympic Sliding Center in Pyeonchang. Vor dem vierten Lauf führte Felix Loch überlegen, sein drittes Gold hintereinander war zum Greifen nah. Doch dann unterlief ihm ein Fahrfehler. Statt dem Sprung aufs oberste Treppchen bei der Siegerehrung blieb ihm nur Platz fünf. Der Traum, mit seinem Vorbild Georg Hackl gleichzuziehen, war jäh geplatzt. Von wegen Felix, der Glückliche. Auch im Weltcup fehlte danach die Leichtigkeit und Eleganz, mit der Loch davor die Klippen im Eiskanal gemeistert hatte.

Den Eindruck, dass das Malheur von Pyeongchang Auswirkungen hatte, erweckte der erfolgsverwöhnte Athlet, als er sich bei der WM 2019 in Winterberg über eine Silbermedaille im Sprintrennen mehr freute als davor über so manche Goldene. Zwischen Februar 2019 und November 2020 war er bei keinem Weltcup mehr der Schnellste. „Außenstehende sehen diese Zeit als schlimmer an als sie für mich war“, sagt Loch. Ihm haben einzelne gute Fahrten bestätigt, dass er es noch kann. „Aber ich habe es nie über zwei Rennläufe hinbekommen“, erzählt er.

Es war jedoch keine verlorene Zeit: „Wir haben sehr viel gelernt, wir haben auch sehr viel ausprobiert.“ Dabei konnte er sich auf sein Team mit den Rodel-Olympiasiegern Georg Hackl und Patric Leitner verlassen. Mit Hackl arbeitet er ständig an seinem Schlitten, Leitner ist für die Athletik zuständig. Eine Erkenntnis aus der sieglosen Zeit ist, „dass ich mich nicht aus der Ruhe bringen lassen darf“. Und, dass er sich wieder auf sein Material verlassen kann. „Ich merke schon, dass wir am Schlitten einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht haben“, sagt er und ergänzt: „Nicht nur einen, vielleicht sogar zwei.“

Diese Sicherheit hat ihm in den vergangenen zwei Jahren gefehlt, „deshalb musste ich mehr ans Limit gehen“. Und manchmal auch darüber hinaus. Was wieder Fahrfehler nach sich zog. In der aktuellen Abstimmung werden ihm sogar kleinere Missgeschicke verziehen. Doch diese Setup-Arbeit ist nur ein Teil des Erfolgs. Neben Fahrgefühl ist die Schnellkraft genauso wichtig, mit der sich die Rodler oben am Startbock abziehen und mit den Paddelschlägen beschleunigen.

Auch in diesem Bereich hat Loch wieder zugelegt – wie der Startrekord, den er beim Rennen in Oberhof erzielt hat, beweist. „Ich habe definitiv mehr trainiert“, verrät er. Denn wegen des Corona-Lockdowns im Frühjahr waren alle PR- und Sponsorentermine ausgefallen. 20 Tage, berichtet Coach Leitner, sei Loch mehr im Kraftraum gewesen.

So fährt der Berchtesgadener seinen Konkurrenten in diesem Winter wieder davon. Denen bleibt nur die Hoffnung auf einen Fehler. „Felix fährt wie in einem Rausch“, sagt Teamkollege Johannes Ludwig, der Zweitplatzierte im Weltcup. Auch Olympiasieger David Gleirscher ist desillusioniert: „Zur Zeit spielt Felix mit uns.“ Gute Voraussetzungen, dass Felix Loch seine perfekte Saison bei der Weltmeisterschaft am Königssee krönt. KLAUS-ECKARDT JOST

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