München – Die Basketballer des FC Bayern gehen auf dem Zahnfleisch. Das wurde auch bei der 103:105-Niederlage am Sonntag gegen die Crailsheim Merlins deutlich. Kapitän Nihad Djedovic sammelte nach vier Wochen Pause (muskuläre Probleme) wieder fünf Minuten Einsatzzeit auf dem Court, trotzdem musste Coach Andrea Trinchieri gleich auf sechs Spieler verzichten. Vladmir Lucic, Zan Mark Sisko (beide derzeit im Aufbautraining), Robin Amaize (Wade), Matej Rudan (Sprunggelenk), Wade Baldwin (Zehenverletzung) und Paul Zipser (Blessur im Oberschenkel) konnten ihrem Team bei der Pleite nach Verlängerung nicht helfen.
„Uns sind die Energie und die Spieler ausgegangen“, sagte Trinchieri. Der Italiener wählte deutliche Worte, um die personell angespannte Situation zu beschreiben: „Aber ich komme halt in die Halle und dann sagen sie mir: ja oder nein, kaputt oder lebendig.“ Wichtigster Ansprechpartner für den Chefcoach ist also aktuell täglich Dr. Sebastian Torka. „Es kommen zwei Faktoren zusammen. Der vermehrte Reisestress und die zusätzliche Belastung durch Corona“, sagt der Leiter des Ärzteteams im Gespräch mit unserer Zeitung.
Die vergangene Woche der Münchner sah folgendermaßen aus: Montag: Abschlusstraining im Audi Dome und der Abflug Richtung Moskau. Dienstag das Spiel gegen Khimki. Mittwoch: Regeneration im Hotel. Donnerstag mit dem Bus in den Moskauer Stadtteil Beloruskaja. Freitag: das Spiel gegen ZSKA. Samstag: Flug zurück nach München. Sonntag: Partie gegen Crailsheim. „Die Tage, in denen du dich als Basketballer in einem solch eng getakteten Spielplan ausruhen kannst, sind die Reisetage. Zwischen Anreise, fremden Betten und Abreise bleibt aber nicht viel Zeit für Entspannung. Im Reisestress kannst du dich nicht regenerieren“, sagt Torka. Die Basketballer sind eine hohe Frequenz an Spielen gewohnt. Der verspätete Saisonbeginn hat den ohnehin schon gequetschten Kalender aber noch mal verdichtet. „Hoffentlich können uns die Ärzte bald helfen, wir müssen Spieler zurückbekommen, denn der weitere Zeitplan ist sehr schwierig, wenn du alle zwei Tage spielst“, sagt Trinchieri.
Torka führt auch die mentale Belastung als Grund für die körperlichen Beschwerden auf. „Die Jungs haben aktuell keinen Ausgleich zum Basketball. Sie leben quasi die ganze Saison über in einer Blase und können mit ihren Kameraden in den seltenen freien Momenten keine schönen Dinge abseits vom Court unternehmen“, sagt der 40-Jährige, „Die soziale Komponente eines Teams bleibt aktuell auf der Strecke.“ Trotzdem sei die Teamchemie überragend.
Durch den Spielrhythmus bleibt zudem weniger Zeit, um zu trainieren. Daher sei es schwieriger verletzte Spieler wieder ins Team zu integrieren und auf den Wettkampf vorzubereiten. „Es wurden in dieser Saison von den Spielern schon mehrfach absolute Grenzen erreicht. Die Reisestrapazen und der Spielplan sind auf Dauer definitiv gesundheitlich gefährdend“, sagt Torka. Mit seinem Team verbringt er mehrere Stunden pro Tag mit der Organisation der Coronatest und der Hygienekonzepte für die Reisen, auch für Torka ist es die „mit Abstand anspruchsvollste Saison.“ Zeit zum Durchschnaufen bleibt natürlich wieder nicht. Heute treffen die Bayern auf Würzburg.