Ich gestehe: Das DFB-Achtelfinale am Dienstag zwischen Borussia Dortmund und dem SC Paderborn habe ich nicht live gesehen. Homeoffice – kleine Kinder – geschlossene Kitas sind keine gute Kombination für einen ausgeruhten Pokalabend auf dem Sofa. Den BVB-Sieg und die Aufregung um die Aussagen des unterlegenen Trainers vom SC Paderborn: Diese beiden Meldungen haben es vor der Nacht noch in meinen Kopf geschafft. Mit dem Vorsatz: Am nächsten Morgen die Highlights anschauen! Die von Steffen Baumgart heftig kritisierte Szene muss ja sehr deutlich gewesen sein, wenn der Paderborn-Coach so aus der Haut fährt. Doch am nächsten Morgen die Erkenntnis: So eindeutig war die Aufreger-Szene nicht.
In Realgeschwindigkeit kann man auf jeden Fall zu der Einschätzung kommen, dass der Paderborner Ingelsson den Ball vor dem Siegtreffer von Erling Haaland berührt und so das Abseits aufhebt. Schiedsrichter Tobias Stieler hat aus seiner Sicht nachvollziehbar und den Statuten entsprechend gehandelt.
Und trotzdem hätte er und seine Video-Kollegen, diese Szene überprüfen müssen. Für solche Fälle muss der Videobeweis angepasst werden. Ein Tor sollte in seiner Entstehung immer überprüft werden. Zu entscheidend ist der Einfluss eines Treffers auf den Spielverlauf im Millionen Geschäft Profi-Fußball. Die Herausforderung wird sein, ab wann der Video-Check einsetzt. Ist der Einwurf zwanzig Sekunden vor dem Tor schon relevant für die Szene? Oder nur der letzte Pass?
In der NFL (American Football) muss schon seit Jahren jeder Punktgewinn automatisch vor dem Monitor bestehen.
Eine zweite Variante, die es ebenfalls im US-Profi-Football gibt, hätte den Ärger am Dienstag Abend in Dortmund ebenfalls verhindert. Die Möglichkeit für Trainer, zweimal pro Spiel eine Situation überprüfen zu lassen. So hätte Steffen Baumgart in Dortmund seinen Videobeweis einfordern können. Wichtig hierbei: Es muss bei den zwei Möglichkeiten bleiben. Liegt ein Trainer mit seinem Einspruch richtig, wird dieser trotzdem von den möglichen Versuchen abgezogen. Anders als beim Hawk-Eye im Tennis. Hier verliert der Spieler keinen Versuch, sofern er richtig liegt. Das würde den Spielfluss im Fußball kolossal stören und unansehnlich werden lassen.
Welche Variante man auch immer bevorzugt: Steffen Baumgart hätte sie jede Menge Ärger und Wut erspart.
Daniel.Mueksch@ovb.net