Bundestrainer ohne Länderspiele

von Redaktion

Seit 2019 nur dreimal an der Bande: Wie verbringt Toni Söderholm die Zeit?

VON GÜNTER KLEIN

München – Toni Söderholm hat, wie er neulich der MagentaSport-Crew mit Experte Rick Goldmann, Kommentator Basti Schwele und Moderator Sascha Bandermann erzählte, was Neues angefangen: „Ich habe mir ein Klavier gekauft.“ Söderholm (42) taucht ein in Erinnerungen aus der Kindheit in Finnland, da hat er sich schon mal an den Tasten versucht. Sein Comeback gibt er nun unter den Bedingungen, die die aktuelle Infektionslage diktiert: Ohne Lehrer. Er unterrichtet sich selbst – via YouTube und Apps. Toni Söderholm hat zwar einen Job und ein gesichertes Einkommen, er ist fleißig, sucht sich Beschäftigung in seinem Metier, doch erfüllend ist das gerade alles nicht. Als Eishockey-Bundestrainer ist Söderholm quasi auf Eis gelegt.

Für diese Woche war das mal anders geplant. Für Mittwoch und Donnerstag waren Länderspiele gegen die Schweiz vorgesehen gewesen. In Füssen, wo der Deutsche Eishockey-Bund sein Leistungszentrum stehen und hygienetechnisch alles im Griff hat. Doch am 28. Januar erfolgte die Absage. Gründe laut Verbandsmitteilung: „Die allgemein weiterhin angespannte Lage in der Corona-Pandemie, der Lockdown in beiden Ländern, die mögliche Schließung der Grenzen und schließlich auch die beabsichtigte Vermeidung gesundheitlicher Risiken für die Spieler.“ Kurz davor hatte Söderholm gerade begonnen, die Spieler anzurufen, die er nominieren wollte.

Seit der WM 2019 in der Slowakei, Söderholms erstem Turnier als Nachfolger des in die NHL abgewanderten Marco Sturm, hat die A-Nationalmannschaft nur sechs Spiele bestreiten können. Je drei beim Krefelder Deutschland Cup im November 2019 und 2020. Söderholm selbst konnte jedoch nur bei einer der beiden Maßnahmen an der Bande stehen. Im vergangenen Herbst fehlte er wegen einer frischen Covid-19-Infektion, die bei ihm durchaus mit Symptomen (Fieber, Geschmacksverlust) verbunden war. Er versuchte, das Geschehen zuhause vom Computer aus zu lenken, vor Ort vertraten ihn Steffen Ziesche und der Bremerhavener Vereinstrainer Thomas Popiesch.

Selbst auf dem Eis zu stehen und ein Training zu leiten – das hat Söderholm, der mit dem EHC München noch 2016 als Verteidiger Deutscher Meister geworden war und bis zu seiner Berufung als Bundestrainer Ende 2018 den SC Riessersee coachte, 2020 kaum gehabt. Im September zuletzt für ein paar Tage in Füssen im Lehrgang mit Perspektivspielern.

Und nun? Wartet er auf die Vorbereitung zur WM, die vom 21. Mai bis 6. Juni in Riga, Lettland stattfinden soll. Die 2020 ausgefallenen Testspiele gegen Tschechien, Weißrussland und USA sollen ab 15. April an den dafür vorgesehen Orten Nürnberg, Heilbronn. Crimmitschau, Dresden, Mannheim nachgeholt werden. Doch niemand vermag zu garantieren, dass dies möglich sein wird.

Was Söderholm derzeit tun kann: „Das Scouting intensivieren.“ Er geht seit einigen Wochen wieder in die Hallen, schön auf Abstand zu allen, die Gespräche mit den Spielern führt er im Nachgang telefonisch. Doch in Präsenz sieht er mehr als am Bildschirm oder Computer, wo die Kamera immer dem Puck folgt. Söderholm will auch erkennen, „wie die Spieler wechseln, welche Körpersprache sie haben, wie sie mit anderen kommunizieren“.

Söderholm sagt, er sei in seinen Planungen für die WM „schon ziemlich weit“. Es bleibt ihm noch Luft fürs Klavier.

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