Köln/Istanbul – Die Hände stemmte Mesut Özil in die Hüften, die Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Der erste Titeltraum des Weltmeisters von 2014 mit seinem neuen Klub Fenerbahce platzte bereits im Pokal-Viertelfinale durch die 1:2-Niederlage nach Verlängerung gegen den Istanbuler Stadtrivalen Basaksehir. „Mesut konnte nicht helfen“, titelte die Sportzeitung Fanatik und zeigte ein großes Foto des vermeintlichen Heilsbringers.
Özil wurde zu Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselt und hatte in der 117. Minute eine gute Chance zum Ausgleich – doch der 32-Jährige trat über den Ball. Trotz dieser unglücklichen Szene gab es seitens der Medien aber keine Kritik am ehemaligen deutschen Fußball-Nationalspieler. Özil habe „hart gearbeitet“, urteilte Fanatik. Er habe immer wieder den Ball gefordert und auch in der Defensive gut verteidigt.
Die zweite große Enttäuschung nach der Derby-Pleite gegen Galatasaray (0:1) wurde in erster Linie an Mauricio Lemos nach dessen Roter Karte (45.+1) und Trainer Erol Bulut festgemacht. Dieser rechtfertigte Özils Einwechslung erst nach der Pause mit „mangelnder Spielpraxis“.
Der Druck bei Fenerbahce wächst aber. Daran änderte auch der zwischenzeitliche Ausgleich durch Enner Valencia (72.) nach dem Rückstand durch Junior Fernandes (42.) nichts. Fredrik Gulbrandsen sorgte für die Entscheidung zugunsten des türkischen Meisters (96.).
Mesut Özil saß nach dem Schlusspfiff und der Niederlage noch kurz mit gesenktem Kopf auf der Bank und verschwand dann kommentarlos in der Kabine. Die Erwartungen an Özil waren nach seinem Wechsel gewaltig. Nach den ersten Spielen müssen die Fans erkennen, dass er jedoch eine gewisse Anlaufzeit benötigt. Wie lange die Geduld reicht, bleibt abzuwarten. dpa