Deutsche Ski-Erfolge

Wenn die Berge flach fallen

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Wer regelmäßig Ski-Übertragungen verfolgt, erfährt eine Menge über die Fahrer. Schuhgröße – gestern bei der WM-Abfahrt war einer mit Größe 49 am Start –, Leibspeise (okay, das Hüttenangebot ist kohlehydratlastig), Beruf (wir erinnern uns an Hotelier Michi Walchhofer und Metzger Didier Cuche) und vor allem: Herkunftsort. So wurde auch der Nicht-Bayer mit Ortschaften wie Schliersee, Reit im Winkl, Seeg, Lenggries, Schneizlreuth und Fischen bekannt. Andererseits erfahren nun auch die Oberbayern und Allgäuer, denen man nachsagt, sei seien „mit Skiern an den Füßen geboren worden“, dass alpine Talente auch aus nördllicher gelegenen Regionen stammen können. Andreas Sander, der Vizeabfahrtsweltmeister, ist „der Ennepetaler“. Also Nordrhein-Westfale. Ja, so sehr das Winterflockenland (Ober-)Bayern sich über die deutschen Silbermedaillen von Cortina d’Ampezzo (und es kommt ja noch eine Woche) freute – die Helden sind ein angeheirateter Österreicher (Romed Baumann, jahrelang hielten wir ihn wegen seines Vornamens für einen Schweizer), der gebürtige Ruhrpottler Sander und Kira Weidle, die zwar für den SC Starnberg startet, aber in Stuttgart zur Welt kam.

Sander und Weidle sind, als ihr Talent offenkundig wurde, zwar in Bayern in die Förderung der Ski-Gymnasien gekommen, aber das Beispiel dafür, dass der Skisport gewachsen und nicht mehr regional gebunden ist. Als sie Kinder waren, brachte der Familienurlaub in den Alpen (Sander) oder die Wochenendtour in die Berge (Weidle) sie in den Schnee. Das sind schwierigere Startbedingungen, als wenn man jeden Tag nach der Schule beim Ski-Club Partenkirchen durch die Stangen fahren kann. Um das als Flachländer wettzumachen, bedarf es vor allem des finanziellen Einsatzes der Eltern und der Bereitschaft, auch in den Sommermonaten auf dem Gletscher zu trainieren. Wer mal im Juli, August in Hintertux auf 3200 Metern Höhe (Wasser-)Ski fuhr, wird staunen, aus welchen Gegenden, Ländern, von welchen Kontinenten junge ambitionierte Skifahrer in Rennklamotten kommen. Und einem um die Ohren rasen.

Ausgerechnet im Corona-Winter erlebt der deutsche Skisport Erfolge, die ihren Ursprung in Baden-Württemberg und NRW haben. 2021 fallen die Berge flach. Und manche Begegnung mit dem Skisport, aus der eine Karriere werden könnte, findet gar nicht erst statt. Es geht wirklich was verloren. Wie wir jetzt sehen: Schade.

Guenter.Klein@ovb.net

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