Große Freude im kleinen Kreis

von Redaktion

Shiffrin und Schwarz gewinnen alpine Kombination, die nicht mehr allzu viele Anhänger hat

VON ELISABETH SCHLAMMERL

Cortina d’Ampezzo – Mikaela Shiffrin hat die vorletzte Lücke in ihrer Titelsammlung gefüllt. Nach dem gestrigen Sieg in der Kombination fehlt der US-Amerikanerin nur noch Abfahrts-Gold bei einem Großereignis. Bei der Ski-WM in Cortina d’Ampezzo gewann sie souverän vor der Slowakin Petra Vlhova und Michelle Gisin (Schweiz). „Das war ein großartiger Tag“, sagte die überglückliche Shiffrin. Überraschung? Nein, der kleine Kreis der Favoritinnen hatte schon vor dem ersten Wettbewerb, dem Super-G, festgestanden. Bei den Männern schien die Zahl der Medaillenkandidaten ein wenig größer zu sein, aber am Ende standen auch da die Favoriten auf dem Podest, wenngleich nicht in der erwarteten Reihenfolge. Der Österreicher Marco Schwarz gewann vor dem stärker eingeschätzten Alexis Pinturault aus Frankreich. Dritter wurde der Schweizer Loic Meillard. Wie bei den Frauen war die Entscheidung nach den ersten sieben Slalom-Startern gefallen. Der einzige Deutsche, Simon Jocher (SC Garmisch), landete auf dem starken 5. Platz. „Ich habe die Slalom-Routine noch nicht, aber ich glaube, es hat einigermaßen gepasst“, sagte er.

Die Spannung hielt sich in Grenzen. Auch wegen des überschaubaren Kreises an Medaillenkandidaten gilt die alpine Kombination schon länger als ungeliebtes Kind. Früher war es die Königsdisziplin, in der der kompletteste Skirennläufer gekürt wurde. In den immer komplexer gewordenen Weltcup-Kalender passt der Wettkampf aber schon länger nicht mehr. Vor zwei Jahren gab es deshalb Bestrebungen, die Kombination zu streichen und auch aus dem Olympia-Programm zu nehmen. Als Ersatz war ein zweites Parallelrennen neben den Teamevent geplant. Im letzten Moment machte der Weltverband FIS einen Rückzieher. In Cortina werden nun beide Wettbewerbe ausgetragen.

Der frühere Skirennläufer Marc Girardelli sieht die zunehmende Spezialisierung als Grund dafür, dass die Kombination an Attraktivität verloren hat. Die Besten, findet er, müssten jedes Wochenende im Fernsehen zu sehen sein. „Wenn sie nicht imstande sind, Slalom zu fahren, dann sollten sie auch keine Berechtigung haben, im Weltcup mitzufahren“, sagt der Österreicher, der einst für Luxemburg gestartet war. Girardelli gewann dreimal WM-Gold in der Kombination und im Weltcup Wettbewerbe in allen fünf Disziplinen.

Der alpine Zweikampf erfährt vor allem bei jenen Verbänden Wertschätzung, die Medaillenkandidaten am Start haben. Derzeit sind dies die Schweizer, die Österreicher und die Franzosen. Davor waren es viele Jahre die Deutschen wegen Martina Ertl-Renz (Gold 2001) und Höfl-Riesch (zwei Olympiasiege, ein WM-Titel in dieser Disziplin). An diese Zeiten würde der Deutsche Skiverband gerne wieder anknüpfen – vorerst mit den Männern. Neben Jocher ist Linus Straßer ein vielversprechender Kandidat. 2019 in Are war er schon Fünfter geworden. Sowohl er als auch Stefan Luitz waren für Cortina d’Ampezzo als Kombinations-Starter geplant gewesen, aber wegen Verletzungen musste das Training mit den längeren Skiern für die schnellen Disziplinen ausfallen. Beide konzentrieren sich auf die Parallelrennen und ihre Kerndisziplinen Slalom (Straßer) und Riesenslalom (Luitz). Nächster Versuch 2022 in Peking. „Wir bleiben auf alle Fälle dran“, sagte Jocher.

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