Pokljuka – Nach der verpassten WM-Medaille telefonierte Franziska Preuß erst ausgiebig mit ihrem Freund Simon Schempp, dann trösteten sie die beiden Glücksschweine im hauseigenen Streichelzoo. Den schlechtesten Start in eine WM seit acht Jahren blendeten die deutschen Biathleten schnell aus, zumindest die Frauen um Preuß und Denise Herrmann dürfen zuversichtlich in die zweite Woche dieser Titelkämpfe in Pokljuka starten.
Vor allem Preuß gab sich kämpferisch. „Ich bin schon davon überzeugt, dass ich es draufhabe, einmal vorne am Podium zu stehen“, sagte die 26-Jährige vom SC Haag am Ruhetag. Sie sei „im Flow“ und noch nie beim Saisonhöhepunkt „so gut in Form“ gewesen. Eine Einzelmedaille ist für sie deshalb „auf alle Fälle das Ziel.“ Die Plätze 8 (Sprint) und 5 (Verfolgung) geben Hoffnung. „Mich würde es mega freuen, wenn der Tag kommt, an dem alles zu hundert Prozent passt und man für die ganze investierte Arbeit belohnt wird“, sagte Preuß.
Dieser Tag könnte bereits der heutige Dienstag sein, wenn das Einzel über 15 km auf dem Programm steht. Dort wollen sich Preuß, Herrmann und Vanessa Hinz endlich mit der ersten Medaille in Slowenien belohnen.
Was Preuß derzeit so stark macht? In der Vergangenheit hatte sie immer wieder mit kleineren Beschwerden im Saisonverlauf zu kämpfen, in diesem Winter blieb sie davon verschont. Auch dank der Corona-Vorschriften. „Die Hygiene kommt uns zugute, keiner hat mal einen Schnupfen oder Halsweh“, erzählte sie.
Mit neuer Stärke und einer gehörigen Portion Selbstvertrauen wird auch Hinz am Dienstag an den Start gehen. 20 Schüsse und 20 Treffer bedeuteten Platz sechs in der Verfolgung – die ideale Generalprobe für das Einzel. An den Klassiker hat die 28-Jährige aus Schliersee sowieso gute Erinnerungen, im Vorjahr war sie in Antholz sensationell zu WM-Silber gelaufen.
Nun wird Hinz insgeheim wieder auf eine Überraschung spekulieren. „Es tut mir verdammt gut, da vorne mitzulaufen“, sagte sie erleichtert, nachdem sie beim Zieleinlauf am Sonntag wild gejubelt hatte.
Weit weg von freudigen Emotionen sind indes die deutschen Männer. Zum WM-Start drei Rennen zum Vergessen, Arnd Peiffer war mit den Rängen 36 und 20 jeweils „bester“ DSV-Athlet. Deshalb mussten die Frauen beim Mittagessen als Mentoren einspringen.
Zwar gebe es eine feste Tischordnung, wie Preuß erzählte, „aber wir versuchen schon, ihnen ein gutes Gefühl zu geben“. Und das „Coole“ am Biathlon sei ja, dass es noch einige Chancen gebe, man „den Schalter umlegt und es dann auch wieder läuft“. Und wenn nicht, spenden im Notfall die Hängebauchschweine, das Pony oder mehrere Ziegen im Stall des DSV-Quartiers knapp zwei Kilometer entfernt vom idyllischen Bleder See noch Trost. sid