Marco Rose – wunderschöner Name. Absolutes Wortspielpotenzial. Nach dem Rose-Montag in Dortmund nun dann der Rose-Krieg in Mönchengladbach. Tipp: Die Beziehung bei der einen Borussia wird nicht harmonisch ausklingen – wegen der neuen mit der anderen Borussia.
Man darf, auch wenn man nur Beobachter und keinem der beteiligten Vereine zugetan ist, von Marco Rose enttäuscht sein. Weil er nicht bereit war, sich auf eine Sache komplett einzulassen. Einen Vertrag mit Ausstiegsklausel zu schließen, ist legitim und nicht unüblich in der heutigen Zeit, doch dann muss man es mit der Schwärmerei auch nicht übertreiben. Marco Rose hat in seinen bislang eineinhalb Jahren den Eindruck vermittelt, er wolle etwas Großes, etwas Nachhaltiges aufbauen, und so ist das wohl auch bei den Spielern angekommen. Der Verein hat ihm zudem auch noch Wunschkandidaten wie Lazaro und Wolf besorgt. Nicht vergessen sollte man bei der Bewertung der Gladbach-Rose-Konstellation, dass Sportchef Max Eberl vor zwei Jahren seinen Trainer Dieter Hecking, der zwar kein Visionär war, aber zumindest solide gearbeitet hatte, hinauskomplimentierte – um den Verein mit Rose auf ein höheres Level zu heben. Dieses Projekt wird nun abgebrochen – von Rose. Kann man als treulos bewerten. Er ist kein Rose-Kavalier.
Ob er zu Dortmund passt, ist der andere Teil der Geschichte. Man hatte den BVB ja bereits auf der Liste der Interessenten an Rose gesehen, als dieser mit Salzburg erste internationale Akzente setzte. Und passen könnte Rose insofern, als Dortmund immer noch auf der Suche nach dem Trainertypen ist, der dem Heiland Jürgen Klopp am nächsten kommt. Die Emotionalisierung einer Mannschaft wird Marco Rose wohl auch besser hinbekommen als Lucien Favre.
Allerdings: Problem des BVB ist auch, dass seine jungen Talente keine dauerhafte Bindung zum Verein entstehen lassen wollen, weil sie ihre Zukunft an (noch) besseren Adressen sehen. Mit Marco Rose bekommen sie nun einen Sprungbrett-Trainer, der sich Identifikations-Glaubwürdigkeit nach der Sache mit Gladbach erst noch wird erarbeiten müssen.
Und er muss als Trainer besser werden. Die Zusammenarbeit mit dem besonnenen Max Eberl ist nun mal leichter als die in Dortmund mit einem ins Sportliche hineinregierenden Aki Watzke, einem „externen Berater“ Matthias Sammer in einem Machtvakuum, das durch den baldigen Rückzug von Michael Zorc entstehen wird.
Rose wird Dornen haben müssen, um sich zu behaupten.
Guenter.Klein@ovb.net