Katar-Kater statt Titel-Schwung

von Redaktion

Hoffnung für die Bayern: Gute Mentalität – und einige Spieler kehren zurück

VON MANUEL BONKE

München – Hermann Gerland packte in der ersten Hälfte beherzt mit an: Der Co-Trainer des FC Bayern griff nach der Schneeschnaufel und zog zusammen mit den Greenkeepern die Spielfeld-Linien im Schneegestöber der Allianz Arena nach. Das Engagement des Tigers stand sinnbildlich für den Auftritt der Bayern: Das 3:3 (0:2) gegen den Außenseiter aus Bielefeld war ein unerwartet hartes Stück Arbeit. Das sah auch Trainer Hansi Flick so: „In der ersten Halbzeit kam einiges zusammen. Wir haben nicht gut verteidigt. Bielefeld hat es gut gemacht und aus zwei Chancen zwei Tore gemacht. Bielefeld hat gezeigt, dass sie Fußball spielen können.“

Der frisch gebackene Club-Weltmeister musste anerkennen, dass die Nachwirkungen der strapaziösen Reise zum FIFA-Turnier in allen Mannschaftsteilen zu spüren sind. Anstatt vom Titel beschwingt aufzuspielen leidet der FC Bayern an einem Katar-Kater.

„Man darf eines nicht vergessen: Wir haben in der letzten Woche Freitag, Montag, Donnerstag gespielt und heute gegen Bielefeld. Das sind vier Spiele innerhalb kurzer Zeit“, erklärte Flick den unterdurchschnittlichen Auftritt seiner Mannschaft. Hinzu kommt die dünne Personaldecke: Thomas Müller (Quarantäne nach Corona-Infektion), Douglas Costa (Haarriss im Mittelfußknochen), Serge Gnabry (Muskelfaserriss), Tanguy Nianzou (Muskelbündelriss), Alexander Nübel (Sprunggelenksverletzung), Jerome Boateng (private Gründe), Leon Goretzka und Javi Martinez (Aufbautraining nach Corona-Infektion) fehlten gegen die Arminia. Gleichzeitig gönnte Flick Stammspielern wie Benjamin Pavard oder Joshua Kimmich am Montag eine Verschnaufpause.

„Jo wollte ich heute einfach nicht spielen lassen, weil er nach seiner Verletzung jedes Spiel gemacht, und eine Pause gebraucht hat – oder hätte. Aber wir wollten unbedingt in der zweiten Halbzeit noch alles möglich machen und vielleicht das Spiel drehen“, so der Bayern-Trainer. Zwar schafften die Bayern nur ein Remis, doch die Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte macht Flick Hoffnung: „Nach der langen Reise und den Spielen so zurückzukommen, sehe ich sehr positiv. Diese Mentalität macht mich zuversichtlich für die nächsten Spiele.“

In den anstehenden Partien benötigen die Münchner allerdings auch eine fußballerische Steigerung, immerhin steht am Samstag das Spitzenduell gegen Frankfurt und am Dienstag das Achtelfinal-Hinspiel der Champions-League bei Lazio Rom an. Dann werden einige weitere Spieler einsatzbereit sein: Goretzka und Martinez sollen den Trainingskader ab Donnerstag verstärken – und auch bei Boateng besteht Hoffnung, dass er nach dem Tod seiner Ex-Freundin mental wieder einsatzbereit ist.

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