München – Der Reisende David Alaba ist vom FC Bayern nicht mehr aufzuhalten. Zu groß waren die Unterschiede in Gehaltsfragen, als Club und Spieler um eine Vertragsverlängerung feilschten. Nachdem der Österreicher am Dienstag auch offiziell seinen bereits seit Monaten feststehenden Abschied verkündete, dürfte an der Säbener Straße nun die Angst vor einem zweiten Fall Alaba umgehen.
Denn: Der 28-Jährige verlässt den Club ablösefrei, der FC Bayern kassiert für seinen Weltklasse-Spieler nicht einen müden Cent. Um solche bösen Überraschungen künftig zu vermeiden, klopft Hasan Salihamidzic bei einigen Spielern die Chancen auf eine (vorzeitige) Vertragsverlängerung ab.
Laut „Sport Bild“ soll sich der Münchner Sportvorstand derzeit vor allem um eine Einigung mit Joshua Kimmich (Vertrag bis 2023), Kingsley Coman (2023) und Leon Goretzka (2022) bemühen. Letzterer ist selbstredend die dringlichste Personalie. Die Signale aber, so heißt es, seien positiv. Goretzka und der FC Bayern – das dürfte in die Verlängerung gehen. Schwieriger gestalten sich die Verhandlungen allerdings bei Coman. Der Franzose wird von seinem Vater Christian beraten und möchte seine starken Leistungen auch finanziell gewürdigt wissen.
Aktuell soll der Champions-League-Held rund zwölf Millionen Euro brutto kassieren. Das ist Mittelmaß im Münchner Gehaltsgefüge – und entspricht, zugegeben, nicht mehr so ganz Comans Status. Beim Franzosen und auch bei Kimmich bleibt freilich noch etwas Zeit, um alle Feinheiten einer Vertragsverlängerung auszuloten.
Das gilt weniger für Niklas Süle und Corentin Tolisso, deren Arbeitspapier jeweils im Sommer 2022 endet – Stand jetzt. Sowohl Innenverteidiger Süle als auch der Klub sollen laut „Sport Bild“ allerdings (noch) nicht vollends von einer weiteren Zusammenarbeit überzeugt sein. Noch ruhen die Gespräche. Um einen zweiten Fall Alaba zu vermeiden, heißt es bei Süle: verlängern oder ein Jahr vor Vertragsende verkaufen. Kommt keine Einigung zustande, müsste der Nationalspieler München also schon in wenigen Monaten verlassen. Das gilt auch für Tolisso.
Der Mittelfeldspieler kam vor fast vier Jahren für die damalige Rekord-Ablöse von 41,5 Millionen aus Lyon. Sein Marktwert beträgt heute laut „transfermarkt.de“ nur noch 25 Millionen.
Trotzdem will der FC Bayern mit Tolisso Geld machen – auch, um sich finanzielle Möglichkeiten für einen neuen Mittelfeldmann zu schaffen. Florian Neuhaus (23, Borussia Mönchengladbach) ist ein heißer Kandidat.
Und weil Gladbachs scheidender Trainer Marco Rose gestern klar ausschloss, dass ihm Neuhaus zur neuen Spielzeit zu Borussia Dortmund folgen wird, erhöhen sich die Chancen der Münchner im Rennen um das begehrte Mittelfeld-Talent.
Ungeklärt ist an der Säbener Straße noch, wie es mit Jerome Boateng weitergeht. Der Vertrag des Verteidigers läuft im Sommer aus, noch ist eine Verlängerung nicht angegangen worden. Im Gegensatz zum Fall Alaba (Marktwert: 55 Millionen) hielt sich der mögliche Verlust bei einem ablösefreien Abschied von Boateng in Grenzen.
Der 32-Jährige ist nur noch gut zehn Millionen wert. Ähnlich sieht’s bei Javi Martinez (Marktwert: 6,5 Millionen) aus. Trotz Alabas schmerzendem Abgang bleibt das Wort „ablösefrei“ beim FC Bayern positiv besetzt. Mit Goretzka, Robert Lewandowski und Alexander Nübel gelangen schließlich Einkäufe zum Null-Tarif.