Der deutsche Wintersport erlebt gerade so etwas wie eine verkehrte Welt und somit Bilder, die man nicht gewohnt ist. Da sind zum einen die Sportler in den schwarz-weißen Zebra-Monturen, die jubeln, juchzen, sich in den Armen liegen. Vier Medaillen durften die deutschen Alpinen bereits feiern. Mehr gab es letztmals anno 1978 bei der WM in Garmisch-Partenkirchen (1 x Gold, 4 x Silber). Hinzu kommt, dass es sich beim Edelmetall in Cortina d’Ampezzo durchweg um Überraschungen handelte. Glückwunsch also, schon jetzt.
Bis gestern boten dagegen die Biathleten, jahrzehntelang das Aushängeschild des Deutschen Ski-Verbandes, in Pokljuka ein fast schon schauriges Kontrastprogramm. In den ersten sechs WM-Wettbewerben waren die deutschen Skijäger leer ausgegangen – das hatte es in der WM-Geschichte dieser Sparte noch nicht gegeben. Sicher, die Frauen – allen voran die starke Franziska Preuß – sind teilweise unter Wert geschlagen worden. Mit einem Quäntchen Glück wäre Edelmetall möglich gewesen. Und dennoch hat man bislang mehr erwartet. In einer Biathlon-Nation, die so großartige Sportlerinnen hervorgebracht hat wie Lena Neuner, Laura Dahlmeier, Kati Wilhelm, Andrea Henkel oder Uschi Disl ist man eben an Medaillen gewöhnt.
Für etwas Erleichterung im deutschen Lager sorgte nun zumindest Arnd Peiffer mit Silber. Der Routinier bewies einmal mehr, dass auf ihn auch in schwierigen Situationen Verlass ist. Aber zuvor hatte gerade das erfahrene Männerteam besonders schwer enttäuscht. Man kann das als Momentaufnahme bewerten, und gerade Peiffer hat gezeigt, wie schnell sich das Blatt im Biathlon wenden kann. Doch es zeichnet sich immer mehr ab, dass die Generation, die Peiffer (33), Erik Lesser (32), Benedikt Doll (30) und den kürzlich zurückgetretenen Simon Schempp (32) ablösen soll, nicht in der Lage ist, leistungsmäßig auf hohem Niveau aufzuschließen. Und auch im Junioren-Lager haben sich bislang keine Ausnahmetalente bemerkbar gemacht. Das gilt nicht nur für die Männer, sondern auch für die Frauen.
So gesehen ist die sehr magere Zwischenbilanz von Pokljuka mindestens ein Warnschuss. Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen ihn auch gehört haben.
Armin.Gibis@ovb.net