Mittwochabend in Sevilla: Die sportliche Talfahrt von Borussia Dortmund scheint sich auch in der Champions League fortzusetzen. Bereits nach wenigen Minuten liegt der BVB gegen den FC Sevilla im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League mit 0:1 hinten. Durch ein richtiges Gurken-Tor. Mats Hummels fälscht einen Schuss von Suso derart unglücklich ab, dass Torwart Hitz nicht mehr dran kommt – 0:1. „Geht denn das schon wieder los?“, dürften viele Fans vor dem Fernseher und so mancher Spieler auf dem Feld gedacht haben. Doch dann kommt Haaland.
Der Norweger sorgt fast im Alleingang dafür, dass die Dortmunder die Tür zum Viertelfinale in der Königsklasse weit aufgestoßen haben. Bei allen drei Treffern seines Teams ist der Stürmer entscheidend beteiligt. Und jedes der Tore stellt die Extra-Klasse des Norwegers unter Beweis.
Das wunderschöne 1:1 von Dahoud bereitet Haaland mit einem kraftvollen Dribbling auf engstem Raum vor. Die Führung für den BVB ist (mal wieder) eine unglaubliche Willensleistung des norwegischen Nationalspielers. Er „büffelt“ nach seinem Doppelpass mit Jadon Sancho so aggressiv in den gegnerischen Strafraum, dass sich scheinbar kein Kontrahent traut, sich dieser Dampfwalze in den Weg zu stellen.
Dass er allerdings mit seinen 20 Jahren bereits viel mehr zu bieten hat als nur seine physische Naturgewalt, davon zeugt sein drittes Tor an diesem Abend in Sevilla. Nach einem Ballgewinn kreuzt der Angreifer den Laufweg des ballführenden Marco Reus und schafft sich so Platz. Den Querpass des BVB-Kapitäns donnert er jedoch nicht mit purer Kraft Richtung Tor, sondern schiebt den Ball mit der Innenseite gegen die Laufrichtung des herauseilenden Torwarts. Ein Tor mit Köpfchen – statt mit roher Gewalt.
Man mag sich beim BVB gar nicht vorstellen, wo der Verein stehen würde, wenn nicht dieser Ausnahmespieler vorne im Sturm wirbeln würde. Für die Bundesliga sollte dieser grandiose Auftritt gleichzeitig eine Warnung für Schwarz-gelb sein: Ohne das Erreichen der Champions League wird dieser Haaland niemals zu halten sein. Ein solcher Spieler steht jeder Mannschaft gut zu Gesicht. Auch dem FC Bayern. Hier stürmt mit Robert Lewandowski zwar auch ein Weltklassestürmer. Der ist aber zwölf Jahre älter als Haaland.
Und wenn einem Kicker dieses Erbe zuzutrauen ist, dann diesem 20-jährigen Norweger.
Daniel.Mueksch@ovb.net