Sevilla/Dortmund – Als Erling Haaland ganz Sevilla durcheinandergewirbelt hatte, hielt er lässig die Trophäe für den besten Spieler des Abends in die Kamera. Noch viel lieber aber wäre das Champions-League-Phänomen von Borussia Dortmund der beste Spieler der Welt. „Ich möchte mich bei Kylian Mbappé bedanken“, sagte der Norweger nach seiner Zwei-Tore-Show: „Ihn am Abend zuvor dreifach treffen zu sehen, war für mich eine Extra-Motivation.“
Kylian Mbappé, der französische Weltmeister, elegant, pfeilschnell und brandgefährlich – und Erling Haaland, der wuchtige Vollstrecker mit extremem Torinstinkt: Die beiden Topstars waren die überragenden Figuren in dieser Europapokalwoche. „Es herrscht große Einigkeit darüber, dass diese beiden das Erbe der Superstars Lionel Messi und Cristiano Ronaldo antreten werden“, schrieb das norwegische „Dagbladet“. Die spanische Sporttageszeitung „Marca“ nannte Haaland nicht nur einen „Hurrikan“, sondern auf seiner Titelseite auch „Das andere Tier“ – neben, na klar, Mbappé. Der hatte für Paris Saint-Germain am Dienstag drei Tore beim 4:1 gegen den FC Barcelona erzielt.
Der „wahnwitzige Haaland“ („Verdens Gang“) traf beim 3:2 des BVB im Achtelfinal-Hinspiel doppelt. Dem Franzosen hat er eine sensationelle Quote voraus: 18 Tore in 13 Champions-League-Spielen, 41 Tore in 42 Spielen für die Borussia, davon zehn in sechs Einsätzen in der Königsklasse. In dieser Saison stehen acht Tore (Haaland/Platz eins) zu fünf (Mbappé/Platz fünf).
„Das Beängstigende ist: Beide werden sich weiter verbessern.“ Zu diesem Schluss kam die ebenso hochkarätig besetzte wie tief beeindruckte Expertenrunde mit Gary Lineker bei BT Sport. Rio Ferdinand sah schon „eine Rivalität für die kommenden zehn Jahre“ heraufziehen.
Dafür müsste Haaland allerdings wahrscheinlich bei einem Weltverein spielen. Dass er am Mittwochabend ausgerechnet einem spanischen Verein „die Traumkerze ausblies“ („El Mundo Deportivo“), wird Real Madrid noch heißer auf das Sturm-Ass gemacht haben. Seit Monaten wird dem spanischen Giganten großes Interesse an Haaland nachgesagt. „Es ist schön, gewollt zu werden“, sagte der 20-Jährige gelassen.
Die großen Champions-League-Nächte („Ich liebe Abendspiele!“) sind für Erling Haaland wie gemalt. Spielstarke, fordernde Mannschaften kommen dem Dortmunder Umschaltspiel entgegen. BVB-Übergangstrainer Edin Terzic entband Haaland gegen Sevilla davon, die Außenverteidiger beim Pressing anzulaufen: Haaland sollte in der Mitte lauern und bereit sein, wenn ein Dortmunder Konter gestartet wurde. Und er ließ es krachen.
Vor dem Spiel hatte Haaland der Vereinsführung die klare Ansage gemacht, dass alles andere als die jährliche Champions-League-Teilnahme mit seinem Anspruch nicht zu vereinbaren ist. Der national abgehängte BVB spielt also schon im Derby beim Tabellenletzten Schalke 04 am Samstag auch um einen Verbleib seines Topstars.
Anders herum betrachtet: Will Haaland die magischen Momente weiter in Schwarzgelb erleben, sollte er seine Mannschaft wieder in die Champions League schießen. „Wir müssen uns schnell erholen, es ist ein großes Spiel“, sagte er vor dem Heimflug aus Andalusien. „Wir müssen gewinnen.“
Im BVB-Sonderflieger EW 1909 war Zeit, darüber zu grübeln, warum die Mannschaft manchmal exzellente Leistungen zeigt, dann aber auch wieder miserable (wie im Pokal gegen Paderborn oder zuletzt in der Liga gegen Hoffenheim). „Ich weiß es nicht. Es nervt mich selbst“, sagte Terzic. sid