München – Gegen diese Blasenschwäche hilft keine Windel: Benjamin Pavard, 24, ist bereits der vierte Spieler des FC Bayern, der sich innerhalb der letzten vier Wochen mit Corona infiziert hat. Das Leben in der Fußball-Blase, die engmaschig getestet wird und sich weitestgehend von der Öffentlichkeit abschirmt, schützt vor der Pandemie nicht. Das wirft Fragen auf.
Zum Beispiel: Wieso trifft es ausgerechnet die Bayern vermehrt? Das ist bislang völlig unklar. Eine Weitergabe des Virus unter Teamkollegen – etwa von Thomas Müller zu Pavard – kann weder ausgeschlossen noch nachgewiesen werden. Nachdem Müller während der Club-WM in Katar positiv getestet worden war, unterzogen sich seine Mitspieler fortan täglich den Untersuchungen, sogar an freien Tagen. Pavard war bis Mittwoch negativ, erst dann wurden Corona-Viren in seinem Abstrich nachgewiesen. Laut dem Münchner Sportmediziner und Internisten Karlheinz Zeilberger liegt „die offizielle Inkubationszeit bei ein bis 14 Tagen“. Rein theoretisch könnte Müller, der sich gestern via Instagram wieder gesund meldete („Ich bin wieder gesund und fühle mich gut“) den Franzosen also angesteckt haben.
Nach ersten Meldungen am Mittwochabend bestätigte der FC Bayern erst gestern, dass Pavard sich infiziert hat. „Er befindet sich in häuslicher Quarantäne. Dem Abwehrspieler geht es gut“, hieß es im Statement des Clubs. Auch bei vorherigen Corona-Fällen kommunizierten die Münchner relativ spät. Nach Informationen unserer Zeitung hängt das damit zusammen, dass der Verein nach falsch-positiven Tests bei Niklas Süle, Serge Gnabry und Joshua Zirkzee inzwischen auf Nummer sicher geht. Müller etwa wurde in Katar nach einem ersten positiven Befund in kurzer Zeit weitere drei Male (einmal negativ, zweimal positiv) getestet. Ein Fehlalarm sollte so ausgeschlossen werden. Wie üblich gilt auch für Pavard die Regelung, dass er sich zehn bis 14 Tage in häusliche Isolation begeben muss. Anschließend darf er bei einem negativen Test das Training wieder aufnehmen. Leon Goretzka und Javi Martinez mischen wieder mit, gestern absolvierten sie das komplette Training. Eine Rückkehr im morgigen Spiel gegen Frankfurt ist möglich, dann wäre Goretzka drei Wochen und Martinez einen Monat ausgefallen.
Blickt man auf die gesamte Bundesliga, geht die Zahl der Corona-Fälle zurück. Zuletzt infizierten sich neben den Bayern-Stars nur Nadiem Amiri (Leverkusen) und Stefan Posch (Hoffenheim). Das Hygienekonzept scheint also durchaus zu greifen. Mit Arminia Bielefeld und dem VfB Stuttgart waren sogar zwei Clubs noch gar nicht betroffen. Auf der Internetseite krake-paul.de findet sich allerdings eine Hochrechnung, auf welchen Inzidenzwert die Liga im Mittelwert kommt – die erschreckende Zahl: 481,6. Demnach hat es ligaweit bereits rund 60 Corona-Infektionen gegeben. Besonders interessant ist, dass ein Drittel der Fälle in Länderspielpausen auftraten – also wohl mit Reisen in Zusammenhang stehen. Angesichts dieser Zahlen dürften sich die Clubs schon auf die Länderspiele im März freuen.