Die Explosion der Spätstarterin

von Redaktion

Münchner Sprinterin Amelie-Sophie Lederer, 26, überrascht mit Meistertitel und exzellenter Zeit

München – Sie war die große Überraschung bei den Deutschen Hallenmeisterschaften der Leichtathleten. Und auch Amelie-Sophie Lederer machte keinen Hehl daraus, dass sie selbst nicht damit gerechnet hatte, so schnell zu sein. „Ich bin sprachlos!“, entfuhr es der 26-jährigen Sprinterin von der LG Stadtwerke München, nachdem sie das Finale über 60 Meter gewonnen hatte – und das mit einer auch international beachtlichen Zeit. Mit ihren 7,12 Sekunden nimmt Lederer in der europäischen Jahres-Bestenliste den 3. Platz ein. „Dass so eine Zeit rauskommen würde, hätte ich nie gedacht“, sagte sie.

Vor den Titelkämpfen in Dortmund hatte die gebürtige Fränkin noch einen Spitzenwert von 7,26 Sekunden zu Buche stehen. Ihr bestes Karriere-Ergebnis war ein 2. Platz bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften 2020 über 200 Meter. In der Freiluft-Saison (Bestzeit über 100 m: 11,28) lieferte sie 2020 mit Rang 5 über 100 Meter ihr bestes Resultat bei nationalen Titelkämpfen. Ansonsten fiel Lederer nur noch im Junioren-Alter sonderlich auf, als sie bei der U-23-EM Staffel-Gold errang.

So gesehen kam der jüngste Auftritt der Spätstarterin, die im April ihren 27. Geburtstag feiert, einer Explosion gleich. Das Fach-Portal „Leichtathletik.de“ kommentierte ihren Titellauf mit der Schlagzeile: „Amelie-Sophie Lederer zündet wie eine Rakete.“ Im Finale hängte sie dabei so etablierte Konkurrentinnen ab wie die zweitplatzierte Jennifer Montag (7,19), Yasmin Kwadwo (7,19), Rebekka Haase (7,20) oder Titelverteidigerin Lisa Marie Kwayie (7,26).

„Ich bin hierher gereist, um unter die ersten Drei zu kommen und eine Medaille mit nach Hause zu nehmen. Dass es jetzt der deutsche Meistertitel ist mit so einer Zeit, macht mich unglaublich stolz,“ bilanzierte Lederer. Für den ersten Paukenschlag hatte sie im Halbfinale gesorgt, als bei ihr die Bestzeit von 7,20 aufleuchtete. „Das war schon echt sensationell“, sagte die Wahl-Münchnerin, die im vergangenen Jahr noch für Regensburg startete und seit 1. Januar die LG Stadtwerke verstärkt.

Ihre enorme Steigerung erklärt sich Lederer mit dem Trainerwechsel 2018 zu Patrick Saile, der als Nationaltrainer auch die Schweizer Leichtathleten betreut. „Das macht mir riesigen Spaß“, sagte sie zur Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter, „das trägt jetzt Früchte“. Gut möglich, dass sie die nächsten schon bei den Hallen-Europameisterschaften in Turin (5. bis 7. März) erntet. Zwar muss Lederer erst noch nominiert werden, doch das dürfte nach der Gala von Dormtund nur noch Formsache sein.

Coach Saile, der beim Meisterschaftsfinale sogar noch Verbesserungsmöglichkeiten sah („der Start war nicht perfekt“), wagte für die EM schon mal die optimistische Prognose: „Ich hoffe natürlich, dass sie ihre Performance von den Deutschen Hallenmeisterschaften nochmals wiederholen kann – dann ist alles möglich.“ Das klingt verheißungsvoll.  gib

Artikel 4 von 11