Auftakt der Nordische WM

Die Partybühne bleibt leer

von Redaktion

PATRICK REICHELT

In diesen Tagen wird man sie wieder des öfteren zu sehen bekommen, die Bilder von 2005. Jenem Jahr, als die weltbesten Athleten der drei nordischen Disziplinen letztmals in Oberstdorf zu Gast waren. 350 000 Zuschauer hatten die Marktgemeinde im Allgäu seinerzeit in eine bunte sportliche Partymeile verwandelt. Ziemlich genau das hatten die Macher für die heute beginnende Neuauflage natürlich auch im Sinn gehabt. Die Sehnsucht nach einer Wiederholung trieb die Gemeinde und den Deutschen Skiverband (DSV) in einen Bewerbungsmarathon. Vier Mal blitzte man ab, erst der fünfte Anlauf beim Kongress des Welt-Skiverbandes (FIS) 2016 in Cancun klappte.

Und nun? Geht auch Oberstdorf 2021 mit seinen aufpolierten Anlagen als Corona-WM in die Geschichte ein. Die 24 Wettbewerbe, die bis zum 7. März auf dem Programm stehen, müssen ohne Publikum stattfinden. Mehr als die 4500 akkreditierten Athleten, Betreuer und Medienvertreter dürfen nicht dabei sein. Auch Skisprung-Bundestrainer Stefan Horngacher äußerte zuletzt Mitleid: „Für die Veranstalter ist das bitter.“ Und so manch einer unter dem Schattenberg hätte lieber gar keine WM gesehen als die Corona-Version. Nicht zuletzt auch der Befürchtung wegen, die WM könnte die Gemeinde auch so zum Pandemie-Hotspot machen und dem schwer gerupften Tourismus auch noch das Sommergeschäft rauben. Nun gut, zumindest für den Umgang mit dem Virus ist diese WM wohl gerüstet. Der DSV hat mit den Veranstaltern ein Hygiene-Konzept aufgelegt, dem sogar der strenge TÜV sein Siegel verlieh. Der Probelauf bei der Vierschanzentournee hat trtz der Posse um den offensichtlich falsch positiven Test des Polen Klemens Muranka funktioniert.

Trotz aller nachvollziehbaren Vorbehalte stellt sich Oberstdorf nun also trotz des fehlenden Besucherstroms der Herausforderung. Und das ist auch gut so. Das Saison-Highlight ist für die Protagonisten wie auch für die drei beteiligten Disziplinen insgesamt ein unverzichtbarer Faktor. Keine Frage: Im Gegenzug hätte man es im Allgäu allemal verdient, sich schon bald noch einmal als WM-Ausrichter versuchen zu dürfen – mit Zuschauern. In den nächsten vier Jahren wird daraus freilich nichts werden. Die Titelkämpfe 2023 und 2025 sind bereits an Planica (Slowenien) und das norwegische Trondheim vergeben.

patrick.reichelt@ovb.net

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