Starke Preuß, Lesser als Totalausfall

von Redaktion

Tops & Flops: Bei der Biathlon-WM gab es im deutschen Team insgesamt mehr Schatten als Licht

TOPS

ERLÖSER PEIFFER: Es war sicher nicht die beste WM von Arnd Peiffer. Doch der Älteste im deutschen Team war wieder mal da, als es darauf ankam. Nach der medaillenlosen ersten WM-Hälfte war der Druck für die deutschen Biathleten schier ins Unermessliche gestiegen. Peiffer machte sich davon frei und bewies im Einzel Nerven aus Stahl. Viermal null, starke Laufzeit – mit seinem Silbercoup fielen Zentnerlasten von den Schultern der deutschen Mannschaft.

FORMSTARKE DSV-FRAUEN: Immer waren sie nah dran, doch das letzte Quäntchen zur ersehnten Medaille fehlte. Es schien ein kleiner Fluch auf den deutschen Skijägerinnen zu liegen. Doch dann drehte Franziska Preuß als Schlussläuferin der deutschen Staffel auf, und holte mit einem furiosen Schlussspurt noch die Silbermedaille. Die verdiente Belohnung für starke zwei Wochen der deutschen Frauen. Preuß und Denise Herrmann mit vier bzw. zwei Top-10-Platzierungen, dazu Vanessa Hinz mit ihren besten Saisonleistungen – die Form zum Höhepunkt stimmte.

GOLDENE TIRIL: Eigentlich war nur die Frage, wer aus dem norwegischen Team der Star der WM sein wird. Die meisten rechneten mit Johannes Thingnes Bö, doch Landsfrau Tiril Eckhoff stahl dem Überflieger der Männer die Show. Die Strahlefrau aus Bärum holte gleich vier Goldmedaillen. Dazu gab es im Single Mixed Silber und im Massenstart Bronze. Als Belohnung reist sie mit dem Gelben Trikot aus Pokljuka ab – der Gesamtweltcupsieg wäre die Krönung ihrer (fast) perfekten Saison.

CORONA-BUBBLE: Die Corona-Blase der IBU funktionierte. Der Weltverband bildete weitere Blasen in der Bubble, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Sportler und Betreuer waren in der roten Gruppe, Helfer und Organisatoren in der blauen, Medienvertreter in der gelben. Insgesamt 3300 Tests wurden im Testzentrum am Bleder See genommen, mit elf positiven Ergebnissen. Athleten waren keine betroffen, prominentester Fall war Österreichs Cheftrainer Ricco Groß. Die meisten positiven Tests gab es in der Medien-Bubble.

FLOPS

TAUMELNDER LESSER: Erik Lesser wollte nur noch weg. Einen derartigen Totalausfall hatte selbst der Routinier noch nicht erlebt. Der 32-Jährige ging in der Staffel komplett „blau“, die anvisierte Medaille war schon nach dem Einbruch des sonst so verlässlichen Startläufers außer Reichweite. Es war der Tiefpunkt einer gänzlich verkorksten WM. Platz 66 im Sprint, dazu brachte er auch die deutschen Mixed- und Single-Mixed-Staffeln entscheidend ins Hintertreffen – viel schlimmer geht es nicht.

DEUTSCHE GOLD-FLAUTE: Schier endlose 711 Tage ist es nun schon her, satte 29 Weltmeisterschaftsrennen sind seitdem über die Bühne gegangen – den deutschen Biathleten haftet ein Goldfluch an. Als letzter Athlet des Deutschen Skiverbandes (DSV) kletterte Peiffer am 13. März 2019 aufs oberste WM-Podest. Die zwei Silbermedaillen von Pokljuka sind nicht nur für die eigenen Ansprüche viel zu wenig, sondern stellen auch das schlechteste Ergebnis seit der Wiedervereinigung ein (Nove Mesto 2013).

TROSTLOSE GEISTERKULISSE: 12 000 Zuschauer hätten auf der Hochebene Pokljuka für eine ausgelassene Stimmung sorgen sollen. Stattdessen sind die Fans in diesem Jahr nur virtuell auf einer langgezogenen Video-Leinwand hinter dem Schießstand dabei. Via Lautsprecher spielten die Organisatoren das gewohnte „Hey!“ der Fans bei jedem getroffenen Schuss ein, um zumindest ein wenig Biathlon-Atmosphäre zu erzeugen. Die trostlose Geisterkulisse war dennoch allgegenwärtig.

FEHLENDER NACHWUCHS: Die Probleme waren längst vor der WM bekannt, doch dort kamen sie wieder mal besonders zum Vorschein. Bis auf die 26 Jahre alte Franziska Preuß lasten die deutschen Hoffnungen komplett auf der Ü30-Generation. Liefert die nicht wie gewohnt, ist keiner da, der in die Bresche springt. Keine Jungen, keine konkurrenzfähige zweite Reihe – die Zukunftsaussichten sind derzeit eher trüb.  sid

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