München – Rein sportlich war der Samstag ein höchst erfreulicher Tag für den FC Bayern. Beim 5:1 (2:0) gegen den 1. FC Köln überzeugten in Leon Goretzka, Serge Gnabry und Thomas Müller gleich drei Rückkehrer. Ein gutes Signal vor dem anstehenden Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund (Samstag, 18.30 Uhr, Sky). Das sah auch Hansi Flick so. „Es war heute ein sehr guter Anfang“, sagte der Bayern-Trainer, nachdem die Joker Gnabry und Müller gleich mit ihrer ersten Aktion das 3:1 eingeleitet bzw. vorbereitet hatten.
Gnabry ließ noch zwei eigene Tore folgen. Beide Spieler seien „sehr wichtig“ gewesen, sagte Flick. „Jetzt haben wir eine Woche Zeit, um die beiden noch mal näher ranzubringen.“ Gnabry meldete sich nach Muskelfaserriss zurück, Müller nach überstandener Corona-Infektion. Die hat auch Goretzka hinter sich, der gegen Köln gleich drei Treffer direkt vorlegte und von Flick zum „Spieler des Tages“ gekürt wurde. Die erzwungene Auszeit haben Goretzka und Müller allem Anschein nach also bestens überstanden.
Abseits des Rasens sorgten die zuletzt gehäuften Corona-Infektionen allerdings für Wirbel. Die Sportschau titelte auf ihrer Homepage am Samstagmittag: „Münchner Gesundheitsreferat rüffelt Bayern München“. Zitiert wird Beatrix Zurek, die Leiterin des städtischen Gesundheitsreferats. Auch ein rund einminütiger Videozusammenschnitt mit Zureks Aussagen für die WDR-Sendung Sport inside ist zu sehen. Die SPD-Politikerin kritisiert, dass die „muntere Reisetätigkeit“ der Fußball-Profis ein „ganz schlechtes Bild“ abgebe. Zurek wünscht sich zudem, dass die Spieler „nicht gezwungen werden, ihre Gesundheit zu gefährden“.
Nach Corona-Infektionen bei Javi Martinez, Goretzka, Müller und Benjamin Pavard ist beim FC Bayern zuletzt eine sogenannte Arbeitsplatz-Quarantäne verordnet worden. Das heißt: Die Bayern-Stars dürfen sich nur zwischen Säbener Straße und ihrem Zuhause bewegen. Dazu erklärt die Gesundheitsreferentin: „Ich halte das für einen wichtigen und richtigen Schritt, der durchaus auch von uns mit initiiert und unterstützt wurde.“ Zurek sei zuversichtlich, dass „diejenigen, die beim Verein für die Hygieneregeln verantwortlich sind, selber die Dinge analysieren und die entsprechenden Schlüsse ziehen“.
Von einem Rüffel für den Club aber will die Politikerin keinesfalls sprechen, wie sie in einer Stellungnahme erklärte. „In dem verbreiteten Video-Clip wurden aus einem längeren Interview meine Antworten zu zwei völlig unterschiedlichen Themenbereichen so zusammengeschnitten, dass sich der – falsche – Eindruck ergibt, ich hätte den FC Bayern ‚gerüffelt’“, stellte die frühere 1860-Verwaltungsrätin klar. Ihre Kritik an der munteren Reisetätigkeit beziehe sich demnach nicht allein auf den deutschen Rekordmeister, sondern auf den „internationalen Ligabetrieb“, der „ein schlechtes Bild auf den Profifußball insgesamt“ werfe. Gemeint sind in diesem Fall wohl die Champions und Europa League samt grenzüberschreitender Reisen quer über den Kontinent.
Die Arbeitsplatz-Quarantäne beim FC Bayern sei zudem „in enger und vertrauensvoller Abstimmung mit dem Verein getroffen“ worden. Zurek weiter: „Einen Anlass zu Kritik oder gar ‚Rüffel’ gibt es nicht.“ JONAS AUSTERMANN