München – Erling Haaland ist nicht nur ein eiskalter Torjäger, sondern auch ein Fachmann im Wahrsagen. Vor dem Dortmunder Gastspiel in München war die Partie auf das Knipser-Duell zwischen dem 20-jährigen Norweger und Bayern-Bomber Robert Lewandowski (32) zugespitzt worden. Und Haaland hatte weit vor Spielbeginn gesagt: Wann immer er einen Treffer erziele und in der Torjägerliste näher an den Polen heranrücke, lege der einfach einen Hattrick nach „als wäre es das Normalste auf Welt“. Und so sollte es kommen!
Nachdem Haaland die Münchner mit seinem Blitz-Doppelpack (2., 9.) geschockt hatte, sah sich Lewandowski in der Pflicht. Der Weltklasse-Stürmer sorgte bis zur Halbzeit für den Ausgleich und setzte – nachdem Leon Goretzka das Privatduell der Ballermänner unterbrochen hatte – den 4:2-Schlusspunkt. „Lewa hat vollstreckt, dafür ist er da. Er hat ein Sonderlob verdient“, meinte Trainer Hansi Flick. Die schwindelerregende Bilanz von Lewandowski weist nach nun 24 Spieltagen 31 Tore auf.
Eine Bestmarke, die in 52 der 57 Bundesliga-Spielzeiten bereits jetzt zur Torjägerkanone gereicht hätte. Und auch die einst als Ewig-Rekord betitelte Marke von Gerd Müller wackelt bedenklich. Der echte Bomber traf in der Saison 1971/72 40-mal. Lewandowski fehlen neun Treffer in zehn Spielen – durchaus machbar. Der Super-Stürmer aber bremst (noch) die Erwartungen, erklärte: „Ich habe den Rekord nicht im Kopf, das ist noch zu früh.“
Klar ist aber: Wenn Muskelpaket Lewandowski eines Tages spürt, dass es nicht mehr fürs Niveau des FC Bayern reicht, stehen die Klubverantwortlichen vor einer Herkules-Aufgabe. Da passt es nur zu gut, dass sich am Samstag ein blonder Norweger im gelben Trikot endgültig um den Posten als Lewandowski-Erbe bewarb. Und auch an prominenten Fürsprechern mangelt es Haaland nicht. „Er hat gezeigt, dass er riesiges Potenzial hat. Er ist immer torhungrig, ein großartiger Spieler“, sagte Lewandowski. „Er spielt nicht, als wäre er erst 20. Er hat eine große Zukunft.“
Neu ist der Name Haaland den Münchner Machern freilich nicht. Bereits 2017 und 2019 war der Rekordmeister heiß auf ihn. Einmal war Haaland den Bayern zu teuer für einen 17-Jährigen, einmal konnte der Klub ihm die von Berater Mino Raiola geforderte Einsatzgarantie nicht geben. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Flick wäre zumindest nicht abgeneigt, sagte über einen möglichen Haaland-Transfer: „Er ist ein Spieler, der mit Sicherheit für viele Top-Vereine in Frage kommt. Es ist im Leben sehr viel möglich, man kann da nichts ausschließen.“ Im Fußballgeschäft könne es „sehr schnell gehen“.
So ganz schnell aber wohl auch wieder nicht: Haaland steht beim BVB noch bis 2024 unter Vertrag, 2022 könnte er für rund 100 Millionen Euro gehen. Dass der FCB dann zuschlägt, ist unwahrscheinlich. Lewandowskis Vertrag läuft – Stand jetzt – noch bis 2023. Und noch ist der Pole der Torjäger-König in der Bundesliga.