Frankfurt/Berlin – Die störenden Fragen nach Fredi Bobic bügelte Adi Hütter genervt ab. Die Zukunft des Sportvorstandes von Eintracht Frankfurt sei nicht sein Bereich und er nicht derjenige, der zu diesem Thema die Antworten gebe, raunzte der Trainer der Hessen nach dem nächsten Dämpfer im Kampf um die Königsklasse: „Das ist eine andere Ebene und hat mit uns wenig zu tun.“
Und dennoch rumorte es auch nach dem 1:1 (0:0) gegen den VfB Stuttgart im Frankfurter Stadtwald – der „Fall Bobic“ ist längst noch nicht abgeschlossen. „Wir sind Profis, wir haben unseren Job so zu machen, dass wir uns dieses Thema vom Hals halten“, forderte Hütter. Schließlich bleiben die Ziele des Klubs trotz des Alleingangs des wechselwilligen Baumeisters hoch.
Am Mittwoch soll in einer Sitzung des Aufsichtsrates Klarheit über die Situation gewonnen werden, in die Bobic die Eintracht mit seinem offenbar unerwarteten Wechselwunsch gebracht hat. Wie es im Sommer weitergeht, ist derzeit völlig offen. Mögliche Nachfolger wie Christoph Spycher (Young Boys Bern) oder Jonas Boldt (Hamburger SV) haben einen Wechsel bereits ausgeschlossen. In Ben Manga beförderte die Eintracht jüngst immerhin einen Bobic-Vertrauten zum Direktor Profifußball und fängt damit den Abgang von Sportdirektor Bruno Hübner auf. Dennoch hinterlässt Bobic, der seine Vorgesetzten offenbar kalt erwischte, die größte Baustelle.
Und Bobic hat auch noch gart keinen neuen Job. Obwohl der Weg Richtung berlin weist. Aufsichtsrat Jens Lehmann von Hertha BSC hält eine Verpflichtung von Fredi Bobic vor allem aus finanziellen Gründen für schwierig. „Das Problem bei Berlin ist, dass es viel Geld kostet. Dann muss man sehen: Lohnt sich das?“, fragte er am Sonntag im TV-Talk „Sky90“. Bobic wird als Nachfolgekandidat für Michael Preetz genannt. Der einstige Sport-Geschäftsführer hatte seinen Posten wegen des ausbleibenden Erfolgs vorzeitig räumen müssen.
Lehmann vermied ein klares Bekenntnis zu Bobic, der in Frankfurt noch einen Vertrag bis 2023 besitzt. Aufgrund der vertraglichen Situation geht Lehmann davon aus, dass die Eintracht „eine Menge Geld sehen“ will, wenn Bobic nach Berlin kommen wollen würde. Gespräche des Hauptstadtclubs mit Bobic bestätigte Lehmann nicht.
Der 51 Jahre alte Lehmann lobte Bobic allerdings. „Der Fredi hat das echt super gemacht in Frankfurt. Die Situation in Berlin ist aber eine andere“, sagte der ehemalige Torhüter. Er spielte dabei auf die Corona-Situation und die derzeitigen wirtschaftlichen Probleme der Branche an. „Alleine aufgrund der Tatsache, wie Fredi das gemacht hat, ist er natürlich qualifiziert“, sagte Lehmann. dpa/sid