Der Fall Rose
0:1 gegen Leverkusen, die fünfte Bundesliga-Niederlage in Folge. Rechnet man die Vorführung durch Manchester City in der Champions League und das Aus im DFB-Pokal gegen Dortmund dazu, so weist die Bilanz sieben Pleiten aus. Die Rechnung beginnt mit der Verlautbarung Marco Roses, Borussia Mönchengladbach zum Saisonende zu verlassen. Seitdem ist nichts mehr, wie es war.
Lothar Matthäus sagte am Samstag bei Sky, er wisse, dass auch schon die ersten Gladbacher Spieler gegen Rose seien. Indirekt bestätigte Rose das bei der ARD: „Im Umfeld passieren gerade ein paar Sachen. Das bedeutet, es wird jetzt ganz sicher auch nicht ruhiger.“ Fans schrieben mittlerweile einen Brief an Sportdirektor Max Eberl, der bislang eisern an Rose festhielt. Doch auch bei Eberl schleicht sich nun ein Unterton des Zweifelns ein, ob er seine Linie der Treue durchziehen kann. „Ich habe breite Schultern und kann dem Druck standhalten. Ich sehe keinen Grund, heute meine Meinung zu ändern.“
Das Schlüsselwort: heute. Die Einschränkung bezieht sich auf die Stimmungslage nach der Heimniederlage gegen Leverkusen. Was, wenn es auch am Freitag in Augsburg schief geht? Ein internationaler Startplatz immer weiter aus der Reichweite gerät? Oder einfach mit jedem Tag die Erkenntnis reift, dass ein Trainer, der auf dem Absprung ist, eine Mannschaft nicht mehr erreichen kann?
Dann ist „Heute“ das neue „Stand jetzt“, mit dem vor drei Jahren Niko Kovac versucht hatte, Gerüchte über seinen bevorstehenden Weggang von Eintracht Frankfurt einzudämmen.
Schalke 04
Den „Eléndico“ hatten wir spaßeshalber das Duell Schalke (18.) – Mainz (17.) im Vorfeld genannt. Es wurde tatsächlich ein miserables Spiel. Von 795 Pässen kamen 257 nicht an. Vor allem den Schalkern versprangen die Bälle auf erschreckende Weise. Schalkes nullfünfter Trainer in dieser Saison, Dimitrios Grammozis, setzte aber wenigstens sechs Spieler ein, die dem Gelsenkirchener Nachwuchsprogramm, der „Knappenschmiede“, entstammen. Der neueste Neue: Kerim Calhanoglu, Cousin des türkischen Nationalspielers Hakan Calhanoglu. Geht die Planung also schon in Richtung Wiederaufbau in der 2. Liga? Oder rechnet sich Schalke doch noch etwas aus? Peter Knäbel, der neue Sportchef, will sich noch nicht in den Abstieg fügen. Jetzt stehe erst mal „Spiel zwei“ für die neue Führungscrew bevor. Nur das zähle. Doch auch ihm ist nicht entgangen, dass der Mannschaft neben den spielerischen auch die körperlichen Möglichkeiten fehlen. Athletiktrainer Werner Leuthard (früher unter Felix Magath beim FC Bayern tätig) hat eine unfitte Truppe hinterlassen. Sie lief am Freitag so viel wie Mainz (117 km), „allerdings hatten wir einige Spieler, die Krämpfe bekamen“, so Knäbel.
FC Augsburg
Passierte zum zweiten Mal in drei Spielen (1:1 statt 1:0 gegen Leverkusen, 1:2 statt 1:1 in Berlin). In den Schlussminuten gibt der FCA Punkte aus der Hand. Trainer Heiko Herrlich über die schwache zweite Halbzeit in Berlin: „Es gab keinen Grund, einen Gang zurückzuschalten.“ Stimmt, aber so wird unter Herrlich immer gespielt. Quälend, ein ganzes Jahr schon. GÜNTER KLEIN