Mihambo hadert mit Anlauf

von Redaktion

Die Weitspringerin fliegt bei der EM in Torun zu Silber

Torun – Malaika Mihambo schüttelte den Frust über ihr verpasstes Hallen-Gold so schnell ab wie den Sand von ihren Beinen. „Es war ein Schritt in die richtige Richtung“, bilanzierte Deutschlands Sportlerin des Jahres nach ihrer Silbermedaille bei der EM in Polen. Klar, ein Sieben-Meter-Sprung gelang der Weitsprung-Weltmeisterin nicht, und den Titel gab sie im letzten Versuch noch her, aber: „Ich bin sehr zuversichtlich“, sagte Mihambo.

Die Ausnahme-Athletin der deutschen Leichtathletik wusste jedoch auch: Sollte sie in fünf Monaten bei den Olympischen Spielen in Tokio ihren Gold-Traum verwirklichen wollen, muss sie dringend ihre Probleme im Anlauf in den Griff bekommen. Den gesamten Wettkampf in Torun sprang Mihambo ohne Brett, davon profitierte letztlich Maryna Beck-Romantschuk. Die ukrainische Vizeweltmeisterin übertrumpfte Mihambos 6,88 m noch um vier Zentimeter (6,92).

„Ich bin, was den Anlauf betrifft, noch nicht da, wo ich 2019 war“, sagte Mihambo. Wegen Rückenproblemen hatte die Athletin der LG Kurpfalz ihren Anlauf im Vorjahr von 20 auf 16 Schritte umgestellt, in diesem Winter setzte sie wieder auf die längere Variante – mit mäßigem Erfolg. „Das Anlaufgefühl“, räumte Mihambo ein, „ist noch nicht dasselbe wie vor zwei Jahren.“ Gleichwohl war das Leistungspotenzial der 27-Jährigen (Bestleistung: 7,30 m) unübersehbar.

Silber, ihr erstes Edelmetall bei internationalen Meisterschaften unter dem Hallendach, stimmte die Weltmeisterin von Doha 2019 daher versöhnlich. Die Hallensaison sei auch ohne Sieben-Meter-Sprung „nötig und wichtig gewesen“, sagte Mihambo und sah in ihrer Niederlage auch einen Ansporn: „Ich bin hungrig geblieben nach der Hallensaison, da sie nicht so optimal lief. Vielleicht ist für Olympia die beste Voraussetzung, dass ich heiß auf mehr bin.“

Neben der Weitspringerin hatte aus deutscher Sicht auch Kevin Kranz gute Chancen auf einen Titel in Polen. Der Sprinter war als Jahresbester nicht nach Torun gereist, „um Zweiter oder Dritter zu werden. Ich will gewinnen“, hatte er vor dem Endlauf über die 60 m angekündigt. Im Finale war der Wetzlarer in 6,60 Sekunden beim starken Auftritt des Italieners Lamont Marcell Jacobs (6,47) aber machtlos.

Eine Bronzemedaille sicherte sich am Samstag außerdem Hanna Klein mit einer bärenstarken Schlussrunde über die 1500 m, in der sie fast vom Ende des Feldes noch auf Bronze vorlief. „Die letzten 150 Meter habe ich gedacht: ‘Hanna, scheiß drauf.’ Ich habe nur noch Leute überholt und war total im Flow“, berichtete sie. Am Sonntag steuerte Dreispringer Max Heß mit 17,01 m eine weitere Bronzemedaille bei, auch Christina Schwanitz hatte am Freitag Bronze im Kugelstoßen gewonnen.  sid

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