München – Türkgücü München erhält politischen Rückenwind. Die Grünen – Rosa Liste und SPD/Volt unterstützen den Neuling in der 3. Liga bei der Suche nach einem Nachwuchsleistungentrum, das ab der 2. Bundesliga zur Pflicht wird. Bereits letztes Jahr im November hatte sich die Stadtratsfraktion öffentlich für Türkgücü stark gemacht, als der Verein von Präsident Hasan Kivran wiederholt zur Zielscheibe rechter Hetze wurde. Der erste Migrantenverein im deutschen Profifußball „steht mit seiner Erfolgsgeschichte exemplarisch für den Fleiß und den Ideenreichtum vieler Migranten und Migrantinnen, die unsere Stadt geprägt haben“, sagt Grünen-Stadträtin Nimet Gökmenoglu.
Türkgücüs Geschäftsführer Max Kothny sagte unserer Zeitung: „Auch wenn es von außen oft so aussieht, als würde nichts passieren: Es bewegt sich etwas, die Gespräche mit der Stadt sind positiv und wir sind zuversichtlich, dass wir mittelfristig die nötige Infrastruktur für eine optimale Nachwuchsförderung haben.“
Jedoch: Ein Antrag auf Unterstützung erhöht zwar den Druck auf die Stadt, zaubert aber auch keine freien Flächen in München herbei. Erst vor einer Woche teilte die Stadt auf Merkur-Nachfrage mit, dass Türkgücü immer noch kein „konkretes Angebot“ für eine mögliche Fläche gemacht werden konnte. Zudem darf auch hinterfragt werden, wie detailliert sich Grün-Rot wirklich mit dem Verein beschäftigt hat. „Mit dem Nachwuchsleistungszentrum wollen wir die hervorragende Jugendarbeit, die dort geleistet wird, unterstützen und die Voraussetzungen für den weiteren sportlichen Erfolg schaffen“, sagt Kathrin Abele, sportpolitische Sprecherin der SPD/Volt-Fraktion. Dabei befindet sich die Nachwuchsabteilung bei Türkgücü in der Aufbauphase, die A- und B-Junioren spielen in der Kreisliga. Das Lob für die „hervorragende Jugendarbeit“ ist also – im Vergleich mit anderen Münchner Mannschaften – reichlich überzogen.
Beim Aufsteiger verspürt man aber ohnehin noch keinen Zeitdruck. In den DFL-Regularien sei festgelegt, dass man bei einem möglichen Aufstieg im August des Folgejahres, also August 2022, ein NLZ vorweisen müsse. Am vergangenen Montag reichte Kothny die Lizenzunterlagen fristgerecht ein, 15:30 Uhr war die Deadline für die 2. Bundesliga, 17 Uhr für die 3. Liga. Aufgrund von Nachfragen der DFL arbeitete der 24-Jährige mit seinem Team aber noch bis 2 Uhr morgens: „Für uns ist das ein unheimlicher Lernprozess.“
Um sich noch mal an die Aufstiegsplätze ranzukämpfen, brauchen die Münchner heute in Ingolstadt (19:00 Uhr) unbedingt einen Sieg. Trainer Serdar Dayat fordert daher, wieder „kompakter“ zu stehen und „konsequenter gegen den Ball zu arbeiten“. NICO-MARIUS SCHMITZ