Scheinspannung wäre Bayern lieber

von Redaktion

Blickrichtung 3. April: Leipzig festigt sich als Herausforderer im Titelkampf

München – Es ist nun wieder so, wie es kurz mal vor ein paar Jahren war, 2016/17, in der ersten Saison, in der RB Leipzig den forschen Neuling in der Bundesliga gab. „Endlich haben wir wieder einen Feind“, sagte damals auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern Uli Hoeneß. Kurz darauf korrigierte er auf den freundlicheren Begriff „Gegner“. Doch egal. Den Münchnern war klar, dass sie einen neuen Widersacher haben würden.

Und so erlebt im Jahr 2021 die Bundesliga tatsächlich wieder einen offenen Kampf um die Deutsche Meisterschaft, die acht Mal in Folge an die Bayern gegangen war. Nur zwei Punkte liegt der Serienchampion vor dem Noch-nie-Meister und Herausforderer – und der Spielplan bietet reizvolle Dramaturgie. Am 3. April steigt das Duell zwischen dem Zweiten und dem Ersten. Leipzig hat Heimrecht.

Wie so oft brachte Thomas Müller die Situation auf den Punkt. „Leider ist das eine wirkliche Spannung. Ich hoffe natürlich, dass das zu einer Scheinspannung wird in den nächsten Wochen. Aber aktuell spielen die Leipziger konstant und gewinnen ihre Spiele – auch trotz der Belastung unter der Woche. Da schauen wir schon sehr respektvoll nach Leipzig“, sagte der Bayern-Star am ZDF-Mikrofon.

44 Spielminuten lang war RB Leipzig sogar virtueller Tabellenführer. Mit einem 3:0-Sieg in Freiburg waren Trainer Julian Nagelsmann und sein Kader in den Flieger gen Osten gestiegen, vom Ergebnis des Abendspiels zwischen Bayern und Dortmund erfuhren sie erst nach der Landung. Da der BVB durch einen Doppelschlag von Erling Haaland (2., 9. Minute) 2:0 in Führung ging, führte das Echtzeit-Ranking Leipzig bis zum Münchner Ausgleich kurz vor der Halbzeit auf Platz eins. Davon bekam der RB-Tross nichts mit. Das Unentschieden in München wandelte sich erst in den Schlussminuten zum standesgemäßen 4:2-Sieg der Bayern, die somit doch wieder die Tabellenspitze besetzten. Robert Lewandowski mit einem Dreierpack (26., 44./Foulelfmeter 90.) und Leon Goretzka (88.) hatten die schwache Startphase nachhaltig korrigieren können. „Wir sind froh, dass wir die Partie gewinnen konnten. Nicht nur weil es gegen den BVB ging. Aufgrund der tabellarischen Situation waren wir auch unter Zugzwang“, sagte Thomas Müller.

„Wir haben uns nach dem 0:2 kurz geschüttelt und ein bisschen mehr Körperkontakt gehabt. Die Mannschaft hat danach von Minute zu Minute wieder Vertrauen in ihre Qualitäten gefunden“, meinte Bayern-Trainer Hansi Flick: „Am Ende haben wir verdient gewonnen. Es war ein sensationelles Comeback. Riesen-Kompliment an die Mannschaft.“ Doch nicht nur zu seinem eigenen Team gab es etwas zu sagen, sondern auch zum Fern-Konkurrenten, den Leipzigern: „Sie sind verdient oben mit dran, haben eine gute Einstellung und tolle Idee, wie sie Fußball spielen. Das gefällt mir sehr gut, das ist spannend für die Bundesliga.“

Auch Freiburgs Trainer Christian Streich stellte unter dem Eindruck der 0:3-Niederlage seines SC den Leipzigern ein gutes Zeugnis aus. „So wie sie auftreten im Moment, sind sie ein ernsthafter Konkurrent von Bayern München, das steht außer Frage.“

Rasenballsport profitiert davon, dass die Münchner seit der Rückkehr von der Club-WM in Katar ungewohnt viele Punkte, nämlich fünf (zwei gegen Bielefeld, drei in Frankfurt), haben liegen lassen. Jedoch brächte das den Leipzigern nichts, würden sie wie im Vorjahr schwächeln. Tun sie aber nicht. „Wie wir die letzten Wochen Fußball spielen, ist schon richtig gut. Es ist alles möglich“, gibt sich RB-Sportdirektor Markus Krösche recht zuversichtlich in Sachen Meisterkampf. Sogar im Pokal ist Leipzig im Rennen und hofft, trotz der Bürde einer 0:2-Hinspielniederlage gegen Liverpool – am Mittwoch auf einen Coup im Achtelfinale der Champions League. Krösche: „„Wir wollen den Schwung mitnehmen, versuchen, Liverpool zu schlagen und ins Viertelfinale einzuziehen.“  gük, bok, dpa

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