Tod auf der Tribüne

von Redaktion

Renommierter Sportfotograf Hans Rauchensteiner gestorben

München – Da wird der Fußball zur absoluten Nebensache. Der Münchner Fotograf Hans Rauchensteiner ist am Samstagabend in der Allianz Arena verstorben. Der 72-Jährige brach nach der Partie des FC Bayern gegen Borussia Dortmund auf der Tribüne zusammen. Das Drama: Aufgrund der Corona-Auflagen war das Stadion leer und nur wenige Medienvertreter im Einsatz. Rauchensteiner war einer von drei Fotografen, die sich einen Platz auf den weitläufigen Zuschauerrängen suchen durften. So bekam erst keiner mit, dass der langjährige Begleiter des FC Bayern dringend medizinische Hilfe benötigt hätte. Als Rauchensteiner entdeckt wurde, leitete der Münchner Mannschaftsarzt Wiederbelebungsmaßnahmen ein, Rettungskräfte wurden alarmiert. Letztlich vergebens. Rauchensteiner hinterlässt Frau Hanne und einen Sohn.

Langjährige Wegbegleiter reagierten geschockt und mit tiefer Trauer. Rauchensteiner war sehr beliebt, er inspirierte viele Fotografen mit seiner leidenschaftlichen Art und herausragenden Bildern. „Hans Rauchensteiner war uns seit 50 Jahren ein stets seriöser, fairer und verlässlicher Begleiter. Seine Bilder erzählten die Geschichten hinter den Menschen“, sagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der Rauchensteiner als „große Persönlichkeit des deutschen Sportjournalismus“ würdigte.

Der gebürtige Landshuter war ausgebildeter Maschinenbautechniker, arbeitete einige Jahre für Siemens. Seine Liebe zur Fotografie entdeckte er dort im Fotoclub. Rauchensteiner arbeitete zunächst für die Agentur Sven Simon. 1980 gründete er seine eigene Agentur, bei der auch seine Frau Hanne mithalf.

Hans Rauchensteiner begleitete den FC Bayern und den TSV 1860 über Jahrzehnte, fotografierte Olympische Spiele oder in Wimbledon. Besondere Berühmtheit erlangte ein Schnappschuss von Bayern-Keeper Walter Junghans im Spiel beim FC Liverpool 1981, das zum Sportfoto des Jahres gekürt wurde. Diese Auszeichnung gewann Rauchensteiner auch 1987 und 1993, zudem belegte beim World Press Photo 1978 den 1. Platz. Seine Werke bleiben.

JONAS AUSTERMANN, CHRISTINA FRISCH

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