Löw-Nachfolger beim DFB

Ein Zeichen des Aufbruchs, bitte!

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Zwei Tage nach der Ankündigung, dass Joachim Löw nach der EM sein Amt als Nationaltrainer aufgibt, gleicht die Bewertung dieser Nachricht einer Huldigung.

Aktuelle Nationalspieler, Trainer-Kollegen und Konkurrenten loben die Verdienste des Weltmeister-Machers von 2014 unisono in den höchsten Tönen. Größtenteils zu recht. Löws Verdienste um den deutschen Fußball sind unbestritten.

Allerdings darf man nach dieser Lobhudelei seine letzen Amtsjahre nicht völlig ausblenden. Das blamable Ausscheiden bei der WM 2018 in Russland und der danach gescheiterte Umbruch werfen einen kleinen Schatten auf das Werk des 61-jährigen Fußballlehrers. Löw trägt eine Teilschuld an der schwindenden Begeisterung für die Nationalmannschaft.

Daher muss der DFB bei der Wahl zum Nachfolger ein positives Zeichen für die Zukunft setzen. Es darf nicht ein Weiter-So-Gefühl hängen bleiben. Bayern-Trainer Hansi Flick ist in diesem Sinn schon eine gefährliche Lösung. Noch scheinen auf ihn die Triumphe beim FC Bayern herab. Heuert er nun jedoch direkt (wieder) beim DFB an, wird er bei den ersten Rückschlagen sofort als Abziehbild seines einstigen Chefs Löw gesehen werden. Daher kommt der Job beim DFB für Flick noch etwas zu früh.

Dürfte Fußball-Deutschland wählen, würde Jürgen Klopp in die Löwschen Fußstapfen treten. Dieser hat jedoch bereits abgewunken – und ehrlich: Kann man sich Klopp als Teilzeitarbeiter vorstellen? Gehört er nicht täglich auf den Trainingsplatz und mindestens einmal die Woche in ein Stadion?

Wer bleibt übrig? Ralf Rangnick zum Beispiel. Kein einfacher Charakter. Der DFB müsste den ehemaligen globalen Fußball-Boss von Red Bull wohl mit weitreichenden Kompetenzen ausstatten. Die notwendige Qualifikation besitzt er. Nach 15 Jahren Joachim Löw stünde Rangnick für einen Neuanfang. Im Gegensatz zu U-21-Coach Stefan Kuntz. Auch er ist der Aufgabe freilich fachlich gewachsen, doch – ähnlich wie Hansi Flick – steht er dem scheidenenden Bundestrainer zu nah.

Die Sehnsucht nach einem Neuanfang wird man nur mit einer Person ohne großen DFB-Stallgeruch bedienen können. Die Frage lautet: Traut sich sich der DFB diesen Schritt? Oder geht man lieber den einfacheren Weg?

Daniel.Mueksch@ovb.net

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