Flick beim DFB Kandidat Nummer 1

von Redaktion

Einiges spricht für den Bayern-Coach als Löw-Nachfolger – Klopp sagt ab

VON MANUEL BONKE

München – Im Arbeitsvertrag von Hansi Flick mit dem FC Bayern gibt es zwei Passagen, die entscheidenden Einfluss auf sein mögliches Engagement als Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw nehmen könnten. Ein Absatz definiert seine Aufgabenbereiche als Cheftrainer in München: Dort steht, dass Flick exklusiv für Training, Taktik und Aufstellung verantwortlich ist. Dieser Passus könnte dem DFB beim Werben um Flick als künftiger Bundestrainer in die Karten spielen. Denn: Dass der Bayern-Trainer gerne mehr Mitspracherecht bei der Mannschaftszusammensetzung hätte, ist kein Geheimnis.

Beim deutschen Rekordmeister obliegt der Bereich Kaderplanung und Transfers aber Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Darum gab es in der Vergangenheit bei Personalentscheidungen regelmäßig Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Alphatieren. Beim DFB ist die Zusammenstellung der A-Nationalmannschaft Hoheitsgebiet des Bundestrainers – an dieser Vorstellung findet Flick freilich Gefallen.

Eine anderer Vertragsinhalt könnte sich hingegen als großes Hindernis erweisen: die Laufzeit des Arbeitspapiers bis Sommer 2023. Selbst wenn Flick die Verantwortlichen inständig darum bittet, würden sie ihn wohl nur zum DFB ziehen lassen, wenn adäquater Trainer-Ersatz parat stünde. Das Problem: Bereits in der Vergangenheit in München gehandelte Toptrainer wie Thomas Tuchel (Chelsea), Mauricio Pochettino (Paris St. Germain) oder Julian Nagelsmann (Leipzig) stehen bei ihren Clubs langfristig unter Vertrag.

Soweit die schriftlichen Rahmenbedingungen. Aber wie sieht es hinter den Kulissen aus? Wenn man in die Frankfurter Verbandszentrale hineinhört, fällt in der Tat als erstes der Name von Hansi Flick. Das liegt auch daran, dass Jürgen Klopp als weiterer Wunschkandidat seine Absage einmal mehr bekräftigt – und glaubhaft begründet hat: „Ich habe noch drei Jahre Vertrag in Liverpool. Das ist ganz einfach. Man unterschreibt Verträge und versucht, sich daran zu halten.“ Sollten sich die Wege von Klopp und Liverpool angesichts der aktuellen Krise vorzeitig trennen, würde das nichts an seinem Nein zum Bundestraineramt ändern, wie er bei Sky erklärte: „Wenn die Zeit hier rum ist, werde ich ganz bestimmt ein Jahr Pause machen, das ist auch klar. Also funktioniert es einfach nicht.“

Flick hingegen wäre sofort verfügbar, wenn ihn Bayern freigäbe. Im Vergleich zu seinem Job als FCB-Chefcoach wäre das Bundestrainer-Amt entspannter. An der Säbener Straße hat man – im Vergleich zur Zeit seines Antritts – bereits einen gewissen Verschleiß bei Flick festgestellt: Die vielen Pressekonferenzen nerven ihn, das Auftreten gegenüber Ärzten, Physios und Reha-Trainern ist dominanter, sein Verhalten in der Coaching-Zone deutlich emotionaler geworden. Verständlich und menschlich angesichts des enormen Erfolgsdrucks, der beim FC Bayern herrscht. Tag ein, Tag aus.

Als Bundestrainer würde Flick zwar ebenfalls im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, in erster Linie aber „nur“ vor Turnieren oder Länderspielen – und nicht mehr tagtäglich.

Womit der DFB ebenfalls lockt: Seinen Hauptwohnsitz hat der Familienmensch und zweifache Opa Flick nach wie vor in seiner Heimat Bammental. Eine gute Stunde dauert die Fahrt von dort aus nach Frankfurt, wo derzeit der Bau des neuen DFB und seiner Akademie auf Hochtouren läuft. Trifft sich die Nationalmannschaft zu Länderspielen vermehrt in Städten wie Düsseldorf, Berlin oder Leipzig, sollen Lehrgänge in Zukunft zentralisiert in der Main-Metropole stattfinden, wo der Bundestrainer auch sein Büro hat. Das würde das Familienleben im Hause Flick enorm erleichtern. Auch darum glaubt man in München, dass Flick durchaus Gefallen am Bundestrainer-Job finden könnte.

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