Der Modellathlet hat seine Heimat gefunden

von Redaktion

Jalen Reynolds spielt bei Bayerns Basketballern gut wie nie – Trinchieri: „Wir lieben ihn“

VON PATRICK REICHELT

München – Beim Gedanken an den großen Mann aus Detroit wurde die Stimme von Andrea Trinchieri für einen Moment ganz weich. Der Trainer der Basketballer des FC Bayern ist eigentlich keiner, der zu überschwänglichen Lobeshymnen über einzelne Spieler neigt. Im Falle von Jalen Reynolds aber macht er da eine Ausnahme. „Er ist unglaublich“, schwärmte der Italiener, „wir lieben ihn.“

Klar, Trinchieri weiß nur zu gut, dass er dem Modellathleten (2,08 Meter, 101 Kilo) aus Übersee wohl nicht wenig zu verdanken hat. Reynolds ist einer der effektivsten Center dieser Euroleague-Saison. Und auch weil das so ist, kratzen die Bayern vehement am Tor zu den Playoffs der Königsklasse. Ein Sieg noch im heutigen Auftritt beim spanischen Meister Baskonia Vitoria (19 Uhr/Magentasport) und der Platz im Viertelfinale ist Trinchieris Ensemble in den verbleibenden fünf Hauptrundenspielen wohl nur noch mit viel Phantasie zu nehmen.

Und eigentlich hatte im vergangenen Sommer ja nicht viel darauf hingedeutet, dass sich Reynolds zu einem derartigen Transfervolltreffer entwickeln würde. Zu viele Wellen hatten die Karriere des 28-Jährigen bis dahin bestimmt. Gerade zweimal hatte er überhaupt eine komplette Saison beim gleichen Verein bestritten, unter anderem 2018/19 beim russischen Topclub Zenit St. Petersburg. Euroleague-Ausflüge zum FC Barcelona und zuletzt zu Maccabi Tel Aviv waren nach jeweils drei Monaten wieder beendet. „Meine Zeit war noch nicht gekommen“, sagte er.

Reynolds selbst ist überzeugt, dass gerade der Wohlfühlfaktor zu seiner Leistungsexplosion beigetragen hat. „Wir stehen als Mannschaft extrem gut zusammen“, schwärmte er, „es passt einfach.“ Vor allem in der Bundesliga kommt der Vater einer Tochter stets von der Bank. Oft in kniffligen Momenten. Doch stets bringt der Mann, der bei den Bayern einen Vertrag bis Saisonende mit Option auf eine weitere Saison hat, Energie und Punkte – bislang im Schnitt mehr als 13 in gut 16 Minuten Einsatzzeit. „Weil du in dieser Mannschaft einfach mit Energie spielen musst“, wie er sagt.

Den Erklärungsversuch seines Trainers Andrea Trinchieri für die Leistungsentwicklung seines Centers könnte man durchaus als Spitze gegen die Kollegen von Reynolds bisherigen Arbeitgebern verstehen. „Es geht darum, wie man ihn sieht. Ob man von ihm die Dinge erwartet, die er gut kann oder die, die er nicht so gut kann“, erklärte der Bayern-Coach, „wir lassen ihn die Dinge tun, die er kann.“

Und das sind ja auch eine ganze Menge. Bemerkenswert vor allem, dass dieser Mann auch in Europa bislang kaum zu bremsen ist. Obwohl ihm die Konkurrenz längst mehr Aufmerksamkeit widmet als noch zu Saisonbeginn, findet er immer seinen Weg zum Korb. Greift Abpraller ab wie kaum ein Zweiter in der Eliteklasse des Kontinents. Und wenn Reynolds den Ball in Korbnähe bekommt, dann versenkt er ihn meist auch.

Die Euroleague hat registriert, dass der Münchner Center im Schnitt zwei Drittel seiner Wurfversuche ins Ziel bringt. Hinter ihm rangiert unter anderem Nikola Mirotic. Der Star des FC Barcelona spielte lange in der NBA.

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