DFB auf Trainersuche

Impfen wird schneller gehen

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Die Erinnerung geht zurück ins Jahr 2004. Wie Rudi Völler in der Nacht nach dem EM-Aus in Portugal hinschmiss, DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder zwei Wochen alleine das vom Team verlassene, aber im Voraus bezahlte Hotel am Algarvestrand bewohnte und von dort die Suche nach einem Nachfolger initiierte. Gespräche mit Ottmar Hitzfeld, der aber ausgebrannt war, mit Griechenlands Trainer-Zeus Otto Rehhagel, gegen den aber sofort einflussreiche Kräfte, angeführt von Karl-Heinz Rummenigge anarbeiteten – das Gefühl der Orientierungslosigkeit und des sich anbahnenden Richtungsstreits ist zurück im deutschen Fußball. Klar, könnte man argumentieren, der DFB ist beim Trainersuchen aus der Übung geraten; seit 2006 musste er es nicht mehr tun, damals ergab sich der Amtsübergang von Jürgen Klinsmann zu Joachim Löw von alleine.

2021 ist der DFB ähnlich indisponiert. Schon jetzt kann man vorhersagen: Deutschland wird schneller durchgeimpft sein, als dass es den Namen des nächsten Bundestrainers kennt. Den Alternativplan zu Jogi Löw, den auszuhecken er drei Jahre Zeit gehabt hätte, hat er nie geschrieben. Die Fußball-Regierung war so tatenlos wie die politische seit den ersten Monaten der Pandemie. Die Strategie des Verbandes, sich der Trainerfrage zu stellen, besteht darin, dass er ein als Sorgfalt getarntes langes Schweigen angekündigt und eine Standard-Mailantwort eingerichtet hat, falls jemand in den nächsten Wochen einen Kommentar zur Trainersuche erbittet. Immerhin: Outlook können sie beim DFB.

Jedenfalls: Der DFB hat sich in eine schwache Position manövriert. Es gäbe zwei anerkannt große Lösungen, Jürgen Klopp oder Hansi Flick – ihre Verfügbarkeit bestimmen aber andere, nämlich FC Liverpool und FC Bayern. Die Begeisterung über den aufdringlichen Rangnick hält sich – verständlicherweise – in Grenzen. Vermutlich wird der DFB, bis ein würdiger Kandidat frei wird, mindestens ein Jahr mit einem Mann aus dem verbandseigenen Bestand überbrücken müssen. Um der Öffentlichkeit aber etwa den bisherigen Löw-Assistenten Marcus Sorg verkaufen zu können, wäre es dienlich, die Nationalmannschaft würde eine starke EM spielen. Darauf kann man hoffen. Ein Konzept ist es nicht.

Guenter.Klein@ovb.net

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