München – Wer nächstes Jahr Trainer beim FC Bayern ist? Das ist aktuell offener denn je. Klar ist hingegen, wer in Zukunft den linken Innenverteidiger bei den Münchnern geben wird: Lucas Hernandez (25). Und da passt es gut ins Bild, dass der Franzose in Bremen mal wieder seine Fähigkeiten unter Beweis stellen durfte. Die aus Bayern-Sicht beruhigende Erkenntnis danach lautet: Koa David Alaba, koa Problem.
Der Österreicher, das ist seit Monaten klar, verlässt München im nahenden Sommer. Das Ziel ist noch immer unbekannt. Weil Alaba in der vergangenen Woche muskuläre Probleme plagten und Flick das Risiko eines Einsatzes schlichtweg zu groß war, ließ der Bayern-Trainer 80-Millionen-Mann Hernandez mal wieder von der Leine. Und der knallharte Verteidiger enttäuschte nicht. „Lucas hat heute ein sehr gutes Spiel gemacht, war sehr aufmerksam gegen den Ball und hat auch mit Ball gute Szenen gehabt“, meinte Flick.
Seinen größten Fan und Unterstützer fand Hernandez in Bremen allerdings ein paar Meter hinter dem Coach. Javi Martinez nahm als Ersatzspieler auf der Tribüne Platz und feuerte seinen Kumpel immer wieder lautstark an. „Buena, Luci“, schallte es durchs ansonsten weitgehend stille Rund. Gut, Lucas! Zur Erklärung: Hernandez verbrachte nur die ersten fünf Lebensjahre in der Heimat Frankreich, wuchs anschließend im Großraum Madrid auf und spricht noch besser Spanisch als Französisch.
Letzte Woche noch hatte Thomas Müller dem Edelreservisten für dessen tadellose Einstellung gedankt, jetzt peitschte Martinez ihn an. Und Flick berichtete: „Lucas ist – das muss ich einfach mal sagen – ein absoluter Profi. Er hat eine wahnsinnige Mentalität.“ Einziges Problem: Alaba ist bei Flick absolut gesetzt, hat sich das mit starken Leistungen und seiner Rolle als lautstarker Abwehrchef auch absolut verdient. Hernández kommt nach 25 Ligaspielen auf gerade einmal zwölf Startelf-Nominierungen. „Trotzdem ist Lucas einer, der in jedem Training absolut fokussiert ist und der die Mannschaft mit seiner Art mitnimmt. Es ist klasse, solche Spieler zu haben“, sagte der Münchner Coach.
Hernandez überzeugte in Bremen mit guter Pass- und Zweikampfquote (91 bzw. 64 Prozent), traute sich nach vielen Sicherheitspässen zu Beginn mit fortlaufender Spieldauer immer mehr zu. Verbesserungsbedarf besteht aber noch in Sachen Lautstärke. Anders als Alaba dirigiert Hernandez seine Mitspieler bisher selten, ganz unpassend zu seiner robusten und selbstbewussten Spielweise. Selbst die Stimme des ansonsten stillen Jerome Boateng war in Bremen häufiger zu vernehmen als die von Hernandez.
Das wird sich in der kommenden Spielzeit zwangsläufig ändern. Alaba ist dann weg, Boateng auch. Das neue Innenverteidiger-Duo der Bayern dürfte Hernandez und Dayot Upamecano (kommt von Leipzig) heißen. jau