Rangnick bei Schalke im Gespräch

Der Name alleine reicht nicht aus

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Ralf Rangnick – ein klangvoller Name im deutschen Fußball. Seine große Zeit liegt zwar schon ein paar Jahre zurück, dennoch assoziiert man seine Person noch immer mit Erfolg. So überrascht es nicht, dass Rangnick bei vielen zu vergebenen (und attraktiven) Stellen im Fußball-Geschäft genannt wird. Auch weil er selbst seine Ambitionen, wieder einen Sitz in der ersten Reihe des Fußball-Geschäfts einzunehmen, gerne und öffentlich betont.

Aktuell ist der 62-Jährige beim Deutschen Fußballbund als Nachfolger von Joachim Löw und bei Schalke 04 als Krisenlöser im Gespräch. Wobei ein Engagement in Gelsenkirchen die realistischere Variante scheint. Oliver Bierhoff beugt sich beim DFB wohl kaum dem Machtanspruch von Rangnick und gibt freiwillig Kompetenzen ab. Schalke ist da nicht so selbstbewusst. Viel mehr empfindet man es als Auszeichnung, dass Rangnick eine Rückkehr zu Königsblau in der derzeitigen Lage des Clubs überhaupt in Erwägung zieht. Mit ihm verbinden viele Schalker Europapokalabende und den Pokalsieg 2011 anstatt Abstieg und finanzielle Turbulenzen.

Doch was diese Nostalgiker vergessen: Rangnick wirkte auf Schalke zu anderen Zeiten. In seinem Kader standen Raul, Jefferson Farfán oder Manuel Neuer. Finanzielle Sorgen wurden einfach mit dem nächsten Kredit zur Seite gewischt. Ganz nebenbei auch ein Grund für die wirtschaftliche Misere heutzutage.

Zudem war Rangnick bei den Fans keineswegs unumstritten. Mit dem Blick zurück reden sich das viele Anhänger schön. Aber: der kalte Analytiker aus Schwaben und die Emotionslawine Schalke passen nur zusammen, solange der Erfolg die unterschiedlichen Temperamente überstrahlt.

Rangnick und Schalke 04 im Jahr 2021 – es wäre eine Liasaion mit komplett unterschiedlichen Voraussetzungen. Dafür mit umso mehr Risiko. Die neuen Macher in Gelsenkirchen könnten zwar einen spektakulären Namen präsentieren, würden allerdings den gleichen Fehler begehen, wie ihre Vorgänger: Personalentscheidungen nach früheren Meriten treffen und nicht nach dem aktuellen Anforderungsprofil dieses sehr speziellen Clubs in einer der größten Krisen der Vereinsgeschichte.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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