München – Schlägt jetzt die Stunde von Alexander Nübel? Im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals heute (21 Uhr, Sky) gegen Lazio Rom könnte der 24-Jährige im Bayern-Tor stehen – und nach unruhigen Wochen mal wieder eine Bewährungschance erhalten. Der Grund: Manuel Neuer, die unumstrittene Nummer eins, droht gegen die Italiener auszufallen.
„Manu ist etwas erkältet. Wir müssen bei ihm noch die Nacht abwarten und werden morgen früh entscheiden“, erklärte Hansi Flick gestern. Fällt Neuer aus, schenkt der Münchner Trainer in dieser Saison erst zum dritten Mal Nübel das Vertrauen. Zuvor durfte der Sommer-Zugang von Schalke 04 nur im DFB-Pokal gegen Düren (3:0) und in der Champions League bei Atlético Madrid (1:1) ran.
Von einer möglichen Klausel in Nübels bis 2025 datierten Vertrag, die ihm rund zehn Einsätze pro Saison ganichts. „Ich kenne keine Klauseln, ich kenne die Verträge der Spieler nicht“, erklärte der Bayern-Trainer. „Ich bin dafür da, um die Entscheidung zu treffen, wer spielt und wer nicht. Da lasse ich mir auch nicht reinreden!“
Dass Neuer die klare Nummer eins ist, war auch Nübel vor seinem Wechsel von Schalke 04 nach München klar. Aber auf ein paar mehr Einsätze hat der 24-Jährige eben doch spekuliert. Selbst im sportlich bedeutungslosen sechsten Gruppenspiel gegen Lokomotive Moskau stand überraschend Neuer zwischen den Pfosten.
Unabhängig vom möglichen Einsatz gegen Lazio ist für Nübel und Berater Stefan Backs klar, dass es in der kommenden Saison nicht zu weitergehen kann wie heuer. „Diese Situation ist unbefriedigend. Man muss im Sommer über eine Ausleihe nachdenken, wenn Alex nicht mehr zum Spielen kommt“, hatte Backs im Fachmagazin „kicker“ erklärt. Flick reagierte deutlich auf diese Worte, sagte: „Alex hat gewusst, worauf er sich einlässt, wenn er zum FC Bayern kommt.“
Die vorübergehende Lösung des Problems wäre – wie vom Berater ins Spiel gebracht – eine Ausleihe. Der französische Erstligist AS Monaco um den früheren Bayern-Coach Niko Kovac soll Interesse haben, Nübel im Sommer auszuleihen. Bayern-Vorstand Oliver Kahn ist von dieser Option wenig begeistert. „Alexander Nübel bleibt unsere Nummer zwei. Wir sind von diesem Torwart total überzeugt“, erklärte der ehemalige Torwart im „kicker“.
Angesichts dieser Turbulenzen und eines überstandenen Syndesmosebandrisses dürfte Nübel froh sein, wenn er heute Abend mal wieder das tun kann, was er am liebsten macht: im Tor stehen. Den Platz auf der Bank nimmt – wenn Neuer ausfällt – Lukas Schneller ein. Der 19-Jährige fehlt noch im Münchner Champions-League-Kader, kann aber nachgemeldet werden. JONAS AUSTERMANN