Die schwäbische Welt beim VfB Stuttgart könnte so schön sein. Als Bundesliga-Achter liegt der Aufsteiger weit über den Erwartungen. In einigen Spielen erinnert die Mannschaft gar an die jungen Wilden zu Beginn der 2000er. Als Talente wie Timo Hildebrand, Mario Gomez oder Sami Khedira weit über den Maultaschen-Äquator hinaus für Furore sorgten. Mit dem deutschen Meistertitel 2007 als Höhepunkt.
Aber anstatt sich an der fußballerischen Entwicklung unter Trainer Pellegrino Matarazzo zu erfreuen, reibt sich der Verein seit Monaten in Machtkämpfen auf. In der Hauptrolle: Vorstandschef Thomas Hitzlsperger, der ebenfalls zu der Meistermannschaft von 2007 zählte. Er attackierte im Dezember 2020 VfB-Präsident Claus Vogt scharf und kündigte ihm praktisch die Zusammenarbeit. Über die Gründe gibt es zig unterschiedliche Versionen. Ob er seine eigene Beteiligung an der Datenaffäre innerhalb des Clubs mit einem anderen Schlachtfeld aus dem Fokus rücken wollte, oder einfach nur nach mehr Kompetenzen gierte, bleibt bis dato das Geheimnis des ehemaligen Nationalspielers.
Fest steht nur: Dieser Schuss von Hitzlsperger landete nicht krachend im Winkel, sondern ging nach hinten los. Die Fans waren entsetzt von den aufbrechenden Gräben im Verein und wandten sich von Hitzlsperger, dem bis dato alles so leicht von der Hand zu gehen schien, ab. Wenige Wochen später musste der 38-Jährige den Gang nach Canossa antreten und sich öffentlich-wirksam für seinen Frontalangriff entschuldigen.
Nun der Burgfrieden der Streithähne. Auf einer gemeinsamen (virtuellen) Pressekonferenz bekräftigte das ungleiche Duo, zum Wohle des Vereins persönliche Differenzen bei Seite zu legen.
Ab sofort wird der ehrgeizige Hitzlsperger beim VfB allerdings auf Bewährung die Geschäfte leiten. Er hat viel Kredit verspielt, den er sich Stück für Stück zurück arbeiten muss. Schwer vorstellbar, dass er ohne den sportlichen Höhenflug überhaupt noch an seinem Schreibtisch Platz sitzen würde.
Beim medialen Friedensgipfel bemerkte der Vorstandsvorsitzende Hitzlsperger zudem, dass er sich sehr gut vorstellen könne, „lange“ beim VfB zu bleiben. Möglich. Jedoch nur, wenn sein Verhalten in den letzten Monaten ein einmaliger Ausrutscher bleibt.
Daniel.Mueksch@ovb.net