Der erste Schritt Richtung Tokio

von Redaktion

SURFEN Marlon Lipke ist einer von drei deutschen Aspiranten für Olympia-Ausscheidung

München – Die Würfel sind gefallen: Der Deutsche Wellenreitverband (DWV) hat in einer internen Ausscheidung seine drei heißen Eisen für die Olympia-Qualifikation im Mai in El Salvador benannt. Mit dabei ist Marlon Lipke, der als Zwölfjähriger schon 1996 sein WM-Debüt feierte. „Ich freue mich sehr, den ersten Schritt für mein Tokio-Ziel erfolgreich absolviert zu haben“, sagt der 36-Jährige, der in Portugal lebt, wo er auch geboren wurde. Neben Lipke nominierte Bundestrainer Llewellyn Whittaker die deutschen Hoffnungen Leon Glatzer (24, wohnhaft in Costa Rica) und Dylan Groen (21, aus Südafrika).

Die Entscheidungsfindung war schwerer als gedacht. Ursprünglich wollte sich das Nationalteam in El Salvador treffen. Da Whittaker aus seiner südafrikanischen Heimat dort aber nicht einreisen durfte, zogen die Athleten nach einer Woche weiter nach Costa Rica. Dort hatte der Coach letztlich drei Tage Zeit, um fünf Athleten zu filmen und zu bewerten. Aufgrund der Umstände war es eine „der schwersten Entscheidungen, die ich je in meinem Leben treffen musste“, sagt Whittaker. Marlon habe „wirklich geliefert und die Erwartungen erfüllt“.

Lipke, der sich 2009 als bisher einziger Deutscherfür die World Surf League (WSL), die Königsklasse der Wellenreiter, qualifizieren konnte, darf damit weiter von Olympia träumen. Dass es bei den ISA World Surfing Games im Mai für alle teilnehmenden Europäer nur ein einziges Olympia-Ticket zu gewinnen gibt, schreckt ihn nicht ab. „Unsere Chancen sind realistisch“, sagte Lipke, der seine Karriere eigentlich schon beendet hatte. Den Anstoß zum Olympia-Projekt gab die Deutsche Meisterschaft vor zwei Jahren. Lipke war dort, um ehrenamtlich den Nachwuchs zu betreuen, und nahm spontan und aus Spaß am Hauptwettkampf teil. „Ich habe gleich gewonnen, da kam das Feuer wieder hoch.“

Jetzt will er es noch einmal wissen, in der Vorbereitung absolvierte die „faule Socke“ (Lipke über sich selbst) sogar ein Höhentrainingslager in Kärnten. Sollte es mit Tokio klappen, würde sich nach 25 Jahren ein großer Kreis schließen. Und wenn nicht, hat sich das Comeback vermutlich trotzdem gelohnt. „Ich will Bausteine legen“, sagte Lipke, „damit für die neue Generation noch mehr möglich ist.“ MATHIAS MÜLLER

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