Krisenderby als Rettungsanker

von Redaktion

Nach dem Aus in der Champions League braucht Gladbach auf Schalke unbedingt einen Sieg

Mönchengladbach – Hoch über den Wolken dachte Marco Rose nur noch an Schalke 04. „Mit dem Abendessen im Hotel“ sei die Champions League für ihn abgehakt gewesen, sagte der Trainer von Borussia Mönchengladbach, ehe er in den Flieger zurück nach Deutschland stieg. Denn Manchester City war gestern, jetzt kommt der Krisengipfel gegen das Bundesliga-Schlusslicht. „Und da wollen wir endlich mal wieder jubeln“, sagte Rose.

Zeit wird es. Nach dem 0:2 im Achtelfinal-Rückspiel gegen ManCity droht Rose und der Borussia im „Topspiel“ am Samstagabend die Einstellung eines wenig schmeichelhaften Vereinsrekords. Acht Niederlagen in Folge gab es in der langen Geschichte des Klubs nur einmal, 1989 unter Wolf Werner. „Unser Ziel muss es jetzt sein, wieder drei Punkte zu holen. Das wäre ganz wichtig für uns“, sagte Rose.

Und wichtig für das Saisonziel. Platz sieben, so ließ es Sportdirektor Max Eberl durchblicken, soll nun angepeilt werden – in der Hoffnung, dass dieser noch für Europa reicht. Doch der Trend macht wenig Hoffnung. Seit Roses Ankündigung, im Sommer zu Borussia Dortmund zu wechseln, hat Gladbach alle Spiele verloren.

Einen Zusammenhang wollte Rose aber nicht erkennen. „Im Moment wird sehr viel reininterpretiert, was nicht da ist, was ich nicht sehe. Wenn man sachlich bleibt, muss man das auch bestätigen. Die Jungs marschieren, die Jungs probieren“, sagte der 44-Jährige. Das ist sicher nicht unbedingt falsch, die Gladbacher kämpften auch gegen City, auch wenn nach den frühen Gegentoren durch Kevin De Bruyne (13.) und Ilkay Gündogan (18.) schnell die Luft raus war.

Doch es gibt auch andere Stimmen. TV-Experte Dietmar Hamann etwa fragte im Sky-Studio, „ob da nicht mehr kaputt gegangen ist mit der Verkündung des Abschieds, als die Gladbacher wahrhaben wollen“. Sein ziemlich schonungsloses Urteil: „Wenn du siebenmal verlierst, kann irgendwas nicht in Ordnung sein. Es ist Fakt, dass Gladbach im freien Fall ist. Das ist nicht dieselbe Mannschaft, die in der Vorrunde gespielt hat.“

Rose hielt dagegen, dass ihm die tägliche Arbeit mit der Mannschaft trotz aller Rückschläge Mut mache. „Richtung Spiel bekommen wir immer die Kurve“, sagte der Borussia-Coach. Tatsächlich war die Leistung zuletzt besser als die Ergebnisse, doch das hilft Rose nur wenig. Was er dringend braucht, sind Ergebnisse. Und zwar zwingend schon auf Schalke – dort also, wo Gladbach vergangene Saison unmittelbar vor dem Niedergang der Knappen noch verloren hatte.

Torhüter Yann Sommer forderte dann auch eine Reaktion. „Sieben Pleiten, das kann man nicht wegdiskutieren. Am Samstag müssen wir wütend sein, müssen uns wehren gegen die Situation“, sagte der Schweizer bei Sky. Ein wenig schade fand auch Sommer, dass die im Grunde starke Champions-League-Saison angesichts der aktuellen Krise in den Hintergrund geriet.

Immerhin: Zuspruch bekamen Rose und Co. vom großen Pep Guardiola. „Ich bin ein großer Fan von Gladbachs Spielweise“, sagte Citys Teammanager und war sich sicher: „Sie werden zu alter Stärke zurückfinden.“ Kaufen konnte sich Marco Rose für diese warmen Worte freilich nichts.  sid

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