Süd gegen Nord – die Konfliktlinie des Eishockeys

von Redaktion

Verzahnungsrunde in der DEL: Aus der einen Gruppe gibt es drei Titelanwärter, aus der anderen nur einen

VON GÜNTER KLEIN

München – Gemütlich war es bislang in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Weil seit dem Start Mitte Dezember nur regional gespielt wurde, genossen die Beteiligten allerlei Vorteile: Kurze Busfahrten, keine Übernachtungen in Hotels, sondern immer im eigenen Bett. Oft lag auch eine Woche Pause zwischen zwei Partien. Damit ist es nun vorbei: Die Liga erhöht den Takt, ein Team muss drei, vier Mal pro Woche aufs Eis. Und weit reisen. Die sieben Süd- und Nord-Teams verzahnen sich nun (was ein witziges Wort ist im Kontext des Eishockeys, wo Spieler manchmal größere Lücken offenbaren, wenn sie im Match den Mund öffnen).

14 Spieltage lang Nord gegen Süd, Süd gegen Nord. Es ist die klassische Konfliktlinie im deutschen Eishockey. Die Geschichte reicht zig Jahre zurück. Früher: Bayerische Hochburgen (Füssen, Riessersee) gegen Berliner Puck-Kultur. Dann: Kämpfende bayerische Traditions-Standorte gegen die Clubs aus Nordrhein-Westfalen, deren Präsidenten mit Geldkoffern in die Provinz (Landshut, Kaufbeuren) kamen und Talente abwarben. Die 2. Liga war in den 80er-Jahren zweigeteilt und wurde zum Aufstieg in einer Verzahnungsrunde (da ist es wieder, das lustige Wort) zusammengeführt. Bis dahin verbale Kraftmeierei, in welcher Gruppe das bessere Eishockey gespielt werde. Doch die jetzige 2. Liga, die DEL2, spielt bundesweit. Und die DEL ohnehin. In normalen Jahren ist erst die Oberliga, die dritthöchste Klasse, nor-süd-geteilt.

In der Corona-Saison erlebt die DEL einen Ausnahmemodus. Schon seit Wochen schaukelt sich die Nord-Süd-Frage hoch. Allgemeine Einschätzung: Der Süden ist stärker besetzt. Andy Eder, Stürmer der Straubing Tigers, meint: „Das kann man schon sagen, wenn Mannheim und München in einer Gruppe sind.“ Die Meister seit 2015.

Niklas Sundblad, Trainer der Schwenninger Wild Wings, Vierter im Süden, geht noch weiter. Er sieht in seiner Gruppe „drei Teams, die ein Niveau höher sind: Mannheim, München, Ingolstadt. Im Norden richtet sich nur Berlin stärker aus.“ Für ihn kommen drei Meisterschaftsanwärter aus dem Süen.

„Meine Meinung ist: Wir haben eine sehr starke Gruppe“, erklärt Don Jackson, der Münchner Trainer. Seine Mannschaft startet mit dem Auswärtsdoppel Düsseldorf/Iserlohn kommenden Montag und Dienstag in die strapaziöse Phase der Saison. Beeindruckt hat ihn aus dem Norden Berlin. „Neulich 8:1 gegen Düsseldorf – Berlin kann das Powerhouse der Liga sein.“ Das ist eine Auffälligkeit: „Im Norden wird offensiver gespielt“, so der Münchner Kapitän Patrick Hager. Elf der zwölf besten DEL-Scorer kommen aus Berlin, Iserlohn, Köln, Düsseldorf, Bremerhaven.

Gernot Tripcke, der Geschäftsführer der DEL, würde aber „nicht darauf wetten, dass auch ein Süd-Team Meister wird“. Gründe: Das Viertelfinale wird noch intern gespielt, es kommen also sicher zwei Nord-Clubs ins Halbfinale. Und der Playoff-Modus mit Best of Three statt Seven könte Überraschungen begünstigen. „Da heißt es nach dem ersten Spiel schon .Do or die’“, so Patrick Hager.

Für ihn heißt es jetzt: weniger Familienleben, öfter wieder auf Tour sein. Was ihm allerdings behagt: „Dass wir jetzt nicht mehr dauernd nach den Derbys gefragt werden.“ Je vier Partien gegen Ingolstadt, Augsburg, Nürnberg, Straubing – der EHC München hatte sechzehn Derbys. Jetzt hat er vierzehn Spieltage Derby-Ruhe.

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