Heimvorteil – nicht nur auf dem Papier

von Redaktion

Kriselnde Düsseldorfer EG schlägt überraschend den EHC München

VON GÜNTER KLEIN

Düsseldorf – Die Arenen, auch die in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), sind leer – einen Heimvorteil gibt es also nicht mehr? Kann es doch geben. Die Düsseldorfer EG nutzte es am Montagabend aus, dass sie den hohen Favoriten EHC München in ihrer Umgebung, im ISS Dome, empfangen durfte. Denn dort kann sie den Kabinentrakt gestalten, wie sie will. Die DEG tapezierte die Wände: mit Hunderten von Zetteln, auf denen die Durchhalte- und Aufmunterungsparolen der zwangsabwesenden Fans geschrieben waren. Heimvorteil auf dem Papier – woraus der bisherige Vorletzte der Nord-Gruppe bei seiner ersten Saisonbegegnung mit einem Süd-Team was machte. Die DEG gewann 3:2 (1:0, 1:0, 1:2) über den Süd-Zweiten EHC München, für den das eine kleine Blamage war, denn die DEG hatte die letzten sechs Spiele verloren. „Wir waren wach, die Aktion der Fans hat uns geholfen“, kommentierte der Düsseldorfer Verteidiger Bernhard Ebner.

Dabei konnte der EHC München nun wirklich sein nahezu bestes Personal aufbieten. Alle neun Importpositionen waren besetzt, ein vierter Sturm mit der früheren NHL-Größe Derek Roy, dem langjährigen Schweiz-Legionär Andrew Ebbett und dem deutschen Nationalspieler Maxi Kastner, das ist schon die Luxus-Ausstattung eines Kaders. Sollte der es nicht leicht haben mit einer Düsseldorfer EG, die unter ihrer Abwehrschwäche und der Instabilität ihrer beiden jungen Torhüter Hane und Pantkowski litt? Jedoch: „Defensive zuerst – das ist die oberste Devise“ meinte Bernhard Ebner. EHC-Angreifer Kastner drückte es so aus: „Sie parken vor ihrem Tor.“

Vor allem im ersten Drittel hatte München reichlich Chancen, doch die DEG verteidigte konzentriert und nutzte einer ihrer Offensivaktionen zum 1:0 (19. Minute): Ebner schlenzte die Scheine vors Tor, der Ex-Münchner Tobias Eder beschäftigte EHC-Abwehrmann Daryl Boyle so sehr, dass dieser mit dem Schlittschuh ins eigene Tor vollendete.

2019 hatte Eder, der jüngere des Brüderpaars vom Tegernsee, den EHC München verlassen, Er wollte eine größere Rolle spielen, zumindest gestern in Düsseldorf hatte er sie. Er war noch an einem weiteren DEG-Treffer beteiligt: Zum 3:1 lieferte er die Vorlage. Alexander Karachun war ein weiterer Schlüsselspieler der DEG. Der Stürmer überlistete Münchens Schlussmann Kevin Reich in der 33. Minute fast schon bauerntrickmäßig (allerdings in Überzahl, was die Sache erleichterte), zum 2:0. Und war per Nachschuss zum 3:1 erfolgreich (44.), mitten hinein in die Phasem in der München sehr entschlossen auftrat. Chris Bourque hatte per Präzisionsschuss über die Stockhand des starken DEG-Keepers Henrik Hane auf 1:2 verkürzt (42.) und schrie seine Erleichterung hinaus.

Der EHC musste mal wieder seine Schlussspurt-Qualitäten abrufen. Das 2:3 gelang noch, 32 Sekunden vor dem Ende traf Ethan Prow. Doch die DEG hielt durch – unter Anfeuerung der Eismeister und Hallenarbeiter. Heimvorteil eben.

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