„Ich habe gekämpft bis zum Schluss“

von Redaktion

Biathletin Franziska Preuß über ihre bisher beste Saison, den finalen Kraftakt und Olympia

München – Die Biathletin Franziska Preuß (SC Haag) hat einen für Sie in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Winter erlebt: Sie blieb endlich von Infekten verschont, verletzungsfrei – und lieferte konstant Spitzenleistungen ab. Am Ende kämpfte sie sich sogar noch auf den 3. Rang im Gesamtweltcup vor. Im Telefoninterview zog die 27-Jährige Bilanz über ihre bisher erfolgreichste Saison.

Franziska Preuß, Sie befinden sich gerade auf der Rückfahrt vom Weltcup-Finale in Östersund – sicher leichten Herzens…

(lacht) Ja, das kann man wohl sagen. Ich habe mich seit drei Wochen auf diesen Tag gefreut. Die Saison war lang und anstrengend. Ich bin echt froh, jetzt nach Hause zu kommen.

Immerhin wurden Sie zum Abschluss einer harten Saison noch Dritte im Gesamtweltcup. Vor dem Saisonfinale lagen Sie auf dem vierten Rang – 29 Punkte hinter Hanna Öberg. Haben Sie mit solch einem Endspurt noch gerechnet?

Nein, ich hatte nicht mehr ganz daran geglaubt, dass ich Hanna noch knacken könnte. Es war dann im Endergebnis so knapp, dass bei mir die Stimmung im Ziel zunächst gedämpft war. Als Platz drei bestätigt wurde, war die Freude umso größer.

Wie haben Sie diesen Kraftakt geschafft?

Das kann ich ganz gut, am Saisonende noch einmal alles zu geben. Sicher, die Beine sind schwer, man ist müde. Aber ich versuche einfach, dieses Gefühl zu ignorieren und im Kopf so stark zu bleiben, dass ich die letzten drei Rennen noch sauber durchziehe. Ich habe wirklich gekämpft bis zum Schluss.

Hätten Sie vor der Saison geglaubt, dass Sie Drittbeste im Gesamtweltcup werden könnten?

Ehrlich gesagt: nein. Ich habe mich schon ganz gut gefühlt. Und mein Ziel war es, in die Top Sechs im Weltcup zu kommen. Dass ich aber am Ende zu den drei besten Biathletinnen gehöre, das habe ich wirklich nicht erwartet.

Sie haben schon mehrfach betont, wie wichtig für Sie der Wechsel zu Ihrem Heimtrainer Tobias Reiter war. Was waren seine gravierendsten Weichenstellungen?

Für mich war sehr wichtig, dass ich mich im Kraft-Ausdauer-Bereich verbessern konnte. Da hatte ich Defizite. Unsere Trainingseinheiten waren immer total hochwertig, da gab es immer klare Zielsetzungen. Und wir waren dann immer erst zufrieden, wenn es richtig gepasst hat. Das ist vom Kopf her schon eine Herausforderung, weil du immer voll bei der Sache sein musst. Aber dadurch geht halt auch immer was vorwärts. Tobi hat es auch geschafft, mich aus meiner Komfortzone rauszuholen. Er ist ein Tüftler und er kann immer wieder an ein paar Stellschrauben drehen. Ich war motiviert – das ergab dann eine gute Mischung.

Sie waren im deutschen Team in diesem Winter ja die große Ausnahme. Insgesamt lief es für Frauen und Männer – gemessen an früheren Jahren – eher enttäuschend. Wie bewerten Sie dieses Tief?

Grundsätzlich möchte ich dazu sagen: Wir haben optimale Trainingsvoraussetzungen in Deutschland – und da muss es schon das Ziel sein, wieder vorne mitzulaufen. Die entsprechenden übergreifenden Entscheidungen müssen aber andere treffen: Trainer und Sportliche Leiter. Das ist deren Job, und ich bin ganz froh, dass es nicht mein Part ist.

Sie haben öfter für Ihr Team die Kohlen aus dem Feuer holen müssen. Belastet Sie das, als Spitzenkraft immer vorangehen zu müssen?

Ich seh das nicht als Belastung – sondern als Herausforderung. Ich will mich weiterentwickeln, konzentriere mich somit ganz auf mich und meine Baustellen.

So viele Baustellen waren in dieser Saison gar nicht sichtbar – wo könnten Sie sich noch verbessern?

Ich hatte in diesem Winter meinen Kampf mit dem Stehendschießen. Da war ich nur selten mit mir zufrieden. Auch läuferisch kann ich noch stärker werden. Da gibt es noch Potenzial.

Saisonhöhepunkt 2021/22 sind die Winterspiele in Peking. Was bedeutet Ihnen Olympia?

Ich habe schon zwei Winterspiele miterlebt, 2014 in Sotschi und 2018 in Pyeongchang – und ich muss ehrlich sagen: Es ist für mich nicht mehr das Nonplusultra, da dabei zu sein. Da finde ich oft Heimweltcups wesentlich cooler und von der Stimmung spezieller. Die bleiben einem mindestens genauso gut in Erinnerung wie Olympische Spiele. Aber natürlich will ich auch bei Olympia in Peking gut sein. Das ist mir schon auch wichtig, da möchte ich eine Medaille holen, alles andere wäre gelogen.

Sie haben es eingangs erwähnt: Die Saison war sehr anstrengend. Wie belohnen Sie sich nun für die Strapazen?

Die nächsten zwei Wochen werde ich mich nur daheim in Ruhpolding aufhalten. Um wieder ein bisserl runterzukommen. Ich werde auch den Frühjahrsputz starten. Danach will ich meine Familie in Albaching besuchen, Freunde treffen – soweit das unter Corona-Bedingungen möglich ist. Wegzufahren ist ja derzeit leider nicht möglich. Aber ich mache mir auch so eine schöne Zeit daheim.

Gewehr und Skiroller werden Sie vorerst nicht anrühren?

(lacht) Im März und April sicher nicht.

Interview: Armin Gibis

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