FIFA bestraft Ex-Präsidenten

Blatter ist nicht mehr das Problem

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Herr Blatter, Sie haben Geschenke angenommen! Herr Valcke, Sie haben Ihre Stellung als FIFA-Generalsekretär missbraucht! Herr Blatter, Ihnen fehlt es an Loyalität! Herr Valcke, Sie haben private Anwaltskosten Ihrem Arbeitgeber untergejubelt! Sie beide waren in ein Schmiergeldsystem verwickelt! Es gab durchaus Leute, die das dem langjährigen Präsidenten des Fußball-Weltverbandes und dessen rechter Hand vorgehalten haben – doch sie wurden abgekanzelt, kaltgestellt, geächtet. Insofern könnte man es als Fortschritt bewerten, dass genau diese Vorwürfe nun von der Rechtssprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission als bewiesen angesehen werden. Die hat gestern den Herren Blatter und Valcke das frische Urteil zugestellt: Sechs Jahre und acht Monate Sperre für jeden, dazu eine Million Schweizer Franken Geldstrafe.

Blatter ist 85 und krank, und Valcke ist zu verbrannt, um im Fußball noch eine Rolle zu spielen, und die eine Million – mal sehen, ob überhaupt und wann sie eingetrieben wird. Die Geister Blatter und Valcke ist der Fußball längst los. Das Strafmaß ist auch nicht das Interessante an der Geschichte, sondern der Tonfall der Verlautbarung und die Distanz zu ihrer eigenen Geschichte, die die FIFA erkennen lässt.

Doch man muss fragen: Ist die FIFA von 2021 eine sehr viel andere Organisation als die FIFA, wie sie bis vor einigen Jahren war, als sich FBI und amerikanische Justiz einschalteten und der Spitzenorganisation des Weltfußballs bescheinigte, sie weise Strukturen auf wie die Organisierte Kriminalität? Nun, sie hat einiges verändert, die Rechte der Vollversammlung gegenüber der Exekutive bei der Vergabe von Weltmeisterschaften gestärkt, doch weiterhin wird sie geführt von einem Mann, der sich in seiner Amtsführung nicht unterscheidet vom Sonnenkönig Blatter. Auch Gianni Infantino schafft sich sein Reich, seinen Luxus, er sichert sich über seine Netzwerke ab – und ist bereit, den Fußball zu verschachern. Er ist nicht besser als Blatter, vielleicht nur geschickter.

Eine FIFA, die sich erneuert, würde nicht hinnehmen, dass die WM 2022 in Katar stattfindet, als wäre nichts gewesen. Dass sie sich an Sepp Blatter abarbeitet, ist vor allem die willkommene Gelegenheit, sich drängender Problematiken wie Katar und den 6500 Menschen, die für dieses Turnier schon sterben mussten, zu entziehen.

Guenter.Klein@ovb.net

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