Berlin – Thomas Bach hat Haltung angenommen und versprüht an der Seite von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen für die Fotografen Zuversicht. Bei seinem Kampf um Olympia machte der IOC-Präsident auch in Brüssel Station, um bei hochrangigen EU-Politikern für Olympia in Tokio (23. Juli bis 8. August) zu werben.
Die Unterstützung der Politik ist für das IOC und seine Impfstrategie enorm wichtig. Noch hält sich der Sport zurück, will sich in der Impfreihenfolge nicht vordrängeln. Doch der Tag rückt näher, an dem Bach und Co. aus der Deckung müssen, um offensiv für die Impfung der Athleten einzutreten. Umso besser ist es, wenn man für diesen Moment politische Unterstützung eingeholt hat.
Dass nämlich Olympia ohne Impfung kaum noch vorstellbar ist, machte ein drittes Superspreading-Event in kurzer Zeit deutlich. Wie am Dienstag bekannt wurde, haben sich beim Beachvolleyball-Weltserien-Turnier Mitte März in Doha laut Weltverband 13 Personen infiziert. Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung sollen es sogar 20 Fälle sein.
„Wir haben jetzt schon bei mehreren Sportevents gesehen, dass man das Virus nicht komplett ausgrenzen kann“, meinte Niclas Hildebrand, Sportdirektor des deutschen Verbandes. Hildebrand bestätigte, dass eine deutsche Physiotherapeutin zu den Infizierten gehöre. Zuvor hatte es bereits bei der Leichtathletik-EM in Polen und beim Fecht-Weltcup in Budapest etliche Infektionsfälle gegeben.
Das wiederum ist Wasser auf die Mühlen der Athleten, die schon seit geraumer Zeit mit Blick auf Olympia mehr Schutz fordern. Der Verein Athleten Deutschland forderte vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) weitere Informationen zum Sicherheits- und Hygienekonzept in Tokio, und riet Sportlern davon ab, Erklärungen zu unterschreiben, bei denen „die Veranstalter*innen von jeglicher Haftung im Krankheits- oder Todesfall befreit“ werden sollen.
Zumindest beim Thema Impfen will der DOSB nun mehr Aufklärung schaffen und kündigte für nach Ostern einen Call mit Athleten an. Das ist auch dringend notwendig, denn wenn die rund 400 deutschen Tokio-Athleten noch rechtzeitig vor dem Startschuss geimpft werden sollen, muss spätestens im Mai damit begonnen werden.
Beim Thema Haftung scheint man jedoch immer noch auf der Stelle zu treten. Der DOSB erklärte, erstmals eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung und eine Unfallversicherung für seine Teammitglieder abzuschließen. Ansonsten aber gab sich der Dachverband bei Fragen zur Haftung reserviert und hofft wohl darauf, dass sich durch das Impfen viele Fragen einfach in Luft auflösen werden. sid