München – Die finale Stufe der Verärgerung über sich selbst hatten die Spieler des EHC München noch nicht erreicht. Das wäre gewesen: wortloser Abgang, ohne dem Medienpartner MagentaSport, wie vertraglich vereinbart, einen Spieler für das Schlussinterview zur Verfügung zu stellen. Ist auch schon passiert, diesmal kam es aber nicht so weit. Yasin Ehliz stülpte sich die Kopfhörer für das TV-Interview über und lieferte sogar ein klares Statement zur Lage der Mannschaft: „Katastrophe von uns. Defensiv eine Katastrophe, offensiv zu wenig.“ Die beiden Auswärtsspiele – 2:3-Niederlage in Düsseldorf am Montag, 3:8-Klatsche in Iserlohn tags darauf – in der Summe „inakzeptabel“.
3:8, das klingt übel. Und selbst wenn man die beiden Empty-net-Tore abzieht, die sich der EHC einfing, weil er viereinhalb Minuten vor Schluss seinen Torhüter Danny Aus den Birken vom Eis nahm, war es eine klare Niederlage. Die umso blamabler wirkt, wenn man berücksichtigt, dass die Iserlohn Roosters ihr Spiel davor beim DEL-Süd-Schlusslicht Nürnberg 3:7 verloren hatten. Und es – als das Münchner Match in Iserlohn begann – in der Gemeinschaftsrunde der beiden regionalen Gruppen 7:2 für die Teams aus dem Süden stand. Also: Was ist los beim EHC München?
Wie unsere Zeitung erfuhr, gibt es innerhalb der Mannschaft und im beratenden Umfeld Verstimmungen. Moniert wird von Spielern, die schon länger da sind, die mangelnde Qualität nachverpflichteter Akteure, vor allem Andrew Ebbett steht in der Kritik. Der 38-jährige Kanadier, beim SC Bern in der Schweiz ein Star gewesen, hatte seine Karriere gedanklich schon beendet und neun Monate nicht mehr gespielt, als der EHC ihn holte. Seine Bilanz in München: neun Tore, ein Assist – karg für einen Stürmer. Trainer Don Jackson gibt ihm trotzdem Eiszeit, vor allem in Unterzahl, also einem der beiden „Special teams“. Wer in Powerplay und Penalty Killing eingesetzt wird, steht in der Hierarchie weiter oben als die, die nur bei Fünf gegen Fünf ran dürfen.
Was derzeit die Aufgabe des herausragenden Talents John-Jason Peterka ist. Nach 18 Saisonspielen für den EHC steht der 19-Jährige bei 17 Wechseln pro Partie und weniger als zwölf Minuten Eiszeit. Eine Nebenrolle. Es scheint, als zähle bei Trainer Don Jackson die NHL-Vergangenheit eines Spielers, wie sie auch Derek Roy (37) hat, der trotz langer Verletzungspause lizenziert wurde, mehr als die Zukunft, die einer wie Zweitrunden-Draftpick Peterka hat.
Interner Unmut – plus mentale Müdigkeit in der sich für die Münchner seit August hinziehenden Saison – ist allerdings nur ein Grund für die Schwächephase. Es gibt noch weitere Erklärungen:
Der EHC hat 15 Spieler, die älter als 30 sind – es gibt läuferisch bessere Teams wie Mannheim. Und einige andere, die mit schnellem Umschaltspiel die Schwächen der Münchner offen legen. Die Verteidiger kommen oft nicht hinterher. Don Jackson sagte in Iserlohn: „Wir arbeiten so gut, wie wir es im Moment können.“
Das Selbstvertrauen des EHC, jeden Rückstand noch korrigieren zu können, schwindet. In sieben Spielen lag er nach zwei Dritteln hinten – und sechsmal verlor er. Bei Unentschieden nach 40 Minuten (sieben Spiele) lautet die Bilanz: zwei Siege, fünf Niederlagen.
Der Iserlohner Abwehrmann Jens Baxmann meint: „München hat einen guten Kader, aber hinterlässt den Eindruck: Sie sind nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren.“