München – Neulich in Moskau hat sich Derrick Williams Basketball-Europa ziemlich nachdrücklich in Erinnerung gebracht. Im Auftritt bei Khimki Moskau fiel der Anwurf dem Kalifornier in Diensten des BC Valencia vor die Füße. Williams schnappte sich den Ball, lief, und dunkte ihn humorlos ins Ziel. 2,56 Sekunden standen da auf der Uhr, einen schnelleren Korb hat es in der Euroleague nie gegeben. Williams kann darüber nur schmunzeln. „Solche Dinge passieren“, sagte er, „aber das zählt nur, wenn es uns die Playoffs bringt.“
Vier Spiele dauert das Rennen um die sieben noch freien Plätze im Viertelfinale noch an. Die erste Partie führt Williams heute (21 Uhr/Magentasport) ausgerechnet mit seinem Ex-Club FC Bayern zusammen. Und während Valencia als Tabellenzehnter mit dem Rücken zur Wand steht, sind die Münchner seit dem Coup gegen Anadolu Efes Istanbul praktisch schon am Ziel. Mit einem Sieg in Spanien könnten die Bayern das Viertelfinale buchen – wenn am Freitag Baskonia gegen Mailand verliert.
Williams überrascht es nicht: „Ich habe schon vor zwei Jahren in einem Interview gesagt, dass Bayern bald eine der führenden Organisationen in Europa sein wird, bei der jeder gerne spielen will. Jetzt sieht man, dass ich Recht hatte.“
Der 29-Jährige, der in seiner Karriere über 400 Spiele in der NBA absolvierte, spielte in München nur ein Jahr. Doch das Kapitel ist beiden Seiten noch in wärmster Erinnerung. „Derrick Williams ist ein Spieler, den jeder gerne hätte“, sagte Bayern-Sportchef Daniele Baiesi im vergangenen Sommer. Und Williams, dessen Markenzeichen neben spektakulären Flügen auch die Drehung um die eigene Achse auf dem Weg zum Korb ist, denkt noch immer gerne an die Tage im Audi Dome zurück. „Bayern war meine erste Station in Europa“, sagte er, „ob von den Mitspielern, den Fans, Trainern oder dem Geschäftsführer – ich habe dort unheimlich viel Liebe bekommen.“ Auf das Treffen mit den Weggefährten wie Vladimir Lucic oder Leon Radosevic freut er sich entsprechend.
Seinerzeit hatte sich der Modellathlet aus La Mirada so sehr in den FC Bayern verliebt, dass er dem Club die Treue schwor. „Wenn ich nicht zurück in die NBA gehe, dann liegt meine Zukunft in München“, betonte er mehrfach. Bis ihm Euroleague-Ex-Champion Fenerbahce Istanbul ein ziemlich millionenschweres Angebot auf den Tisch legte. Am Bosporus wurde Williams freilich nie ganz glücklich. Die Saison lief von Beginn an nicht nach Wunsch, Fenerbahce stand von Beginn an im Schatten von Lokalrivale Anadolu Efes. Der Star aus Übersee rückte mehr und mehr in die Kritik. Verletzungsprobleme taten ein Übriges.
Das ist nun anders. In Valencia kam der Mann mit dem markanten Barrack Obama Tattoo auf dem Arm zwar auch langsam in Tritt. Doch inzwischen ist er aus dem Ensemble von Trainer Jaume Ponsarnau nicht mehr wegzudenken. Neben dem erbischen Kollegen Nikola Kalinic ist Derrick Williams der einzige Spieler, der alle dreißig Partien in der Königsklasse absolvierte. Es liegt auch stark an ihm, dass Valencia zuletzt auch Playoff-Rivalen wie Titelverteidiger ZSKA Moskau oder Real Madrid düpierte. Nicht zu vergessen das 91:62 bei Zenit St. Petersburg.
Fehlt nur die Krönung, der Sprung in die Playoffs. „Drei Siege“, dessen ist sich Williams sicher, wird man aus den verbleibenden vier Spielen noch brauchen. Den ersten schon heute, gegen die Bayern. „Das wird sehr schwer, weil Bayern sehr viele hungrige Spieler hat, die sehr gut als Team funktionieren“, sagte er, „deshalb sind sie so erfolgreich.“