„Wir stoßen an unsere Grenzen“

von Redaktion

Riem-Generalsekretär Sascha Multerer über den Hilferuf des Pferdesports in Richtung Bayerische Staatsregierung

München – Das ist neu im Pferderennsport: Eine gemeinsame Initiative von Galoppern und Trabern. In einem Schreiben wenden sich Riems Galopper sowie die Traber aus Daglfing und Straubing an die Bayerische Staatsregierung, um finanzielle Unterstützung auszuloten. Riems neuer Generalsekretär Sascha Multerer (44) erklärt im Interview die Hintergründe.

Herr Multerer, wie hoch sind die bisherigen Einnahmeausfälle für die Rennvereine durch Corona?

In Riem setzt sich die Summe zum einen zusammen aus den Verlusten an den Renntagen: durch fehlende Zuschauereinnahmen und dem deutlich reduzierten Ertrag aus der Totowette, weil wir auf den außerhalb der Bahn erzielten Umsatz Provisionen an die Vermittler bezahlen müssen. Dazu kommt zum anderen, dass auf dem Rennbahngelände keine einzige andere Veranstaltung, kein Event etc. stattgefunden hat. Der Gesamtausfall liegt bis jetzt im mittleren sechsstelligen Bereich.

Weil Sportwetten ins Internet abwandern, sinken die Bahnwetten schon lange, das war schon vor Corona so. Warum plädieren Sie ausgerechnet jetzt für staatliche Hilfen?

Wir haben uns in den letzten 15 Jahren als Rennvereine sehr stark damit auseinandergesetzt, wie wir die Wette auf Pferderennen attraktiver machen können. Doch da stoßen wir an Grenzen. Sportfans wählen lukrativere oder einfachere Wetten, wie es bei Sportwetten im Internet der Fall ist.

Die maßgebliche Einnahmequelle der Rennvereine versiegt also, oder?

Genau. Doch der Sinn der Wettgenehmigung besteht eigentlich darin, den Rennvereinen die finanziellen Voraussetzungen für Zucht- und Leistungsprüfungen zu verschaffen. Das ist der Kern unseres Sports. Die Zucht wiederum erfährt ihre Förderungswürdigkeit aus dem Tierzuchtgesetz, durch das die einzelnen Bundesländer Gelder für die Pferdezucht bereitstellen. Also haben wir uns entschlossen, auf die Politik zuzugehen, um die Komplexität des Problems zu schildern.

Ist Ihr Schreiben denn jetzt der Auftakt für eine weiterreichende Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Galopp und Trab?

Die bayerischen Rennvereine haben in der Vergangenheit immer wieder Berührungspunkte gehabt. Allerdings muss man festhalten, dass die Interessen teilweise sehr unterschiedlich waren. Mittlerweile hat sich die Situation im Galopp und Trab jedoch deutlich angenähert, viele Probleme existieren in beiden Lagern.

Interview: Christian Wanninger

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